[Arbeitsrecht] - Arbeitszeugnis - was darf drin stehen?

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 4. Juli 2012 - 14:32

Guten Tag,

heute habe ich ein Arbeitszeugnis von meinem Chef erhalten. Es sieht auch ganz gut aus. Aber nur eine Stelle stört mich etwas, da steht: "Das Verhältnis zu seinen Vorgesetzten war immer korrekt". Das klingt so, als ob ich nur das absolut Nötigste getan hätte. Das stimmt nicht.

Meine Frage nun: Habe ich ein Anspruch auf ein besseres Arbeitszeugnis? Danke!

Noch keine Bewertungen

Bevor Sie Ihrem Chef mit rechtlichen Schritten drohen, empfehle ich Ihnen ihn zunächst einmal darauf anzusprechen und ihn zu bitten ein neues Zeugnis auszustellen. Wenn das Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzen nicht so schlecht ist, wird er sich i.d.R. darauf einlassen.

Selbstverständlich hätten Sie einen Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Arbeitszeugnis, das Ihr berufliches Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschwert (BGH Urteil vom 26. November 1963 DB 1964, S. 517), welches sich unmittelbar aus dem Gesetz gemäß § 109 GewO (http://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html) ergibt. Wurde Ihnen kein angemessenes Zeugnis ausgestellt, können Sie Ihren Anspruch auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses sogar vor Gericht geltend machen.

Wie mein Vorgänger schon zum Ausdruck gebracht hat, würde ich mich ihm anschließen und vorerst das persönliche Gespräch mit dem Arbeitgeber aufsuchen und sodann ihn über die „kritischen“ Merkmale im Arbeitszeugnis aufmerksam machen, um die abweichenden Einschätzungen seitens des Arbeitgebers und Ihnen, dem Arbeitnehmer, über die gezeigten Leistungen zu bereden.

Wird im Verlauf des Gesprächs kein Konsens erzielt, haben Sie als Arbeitnehmer einen
Zeugnisberichtigungsanspruch. Dieser Anspruch wird vor den Arbeitsgerichten durchgesetzt.

Dabei ist zu beachten, dass der Arbeitnehmer prinzipiell kein Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses mit einem bestimmten von ihm gewünschten Wortlaut hat. Dem Arbeitgeber wird im Bereich der Formulierung viel Spielraum gewährt. Daher wird beiden Parteien die Pflicht zur Darlegungs- und Beweislast zugetragen.

Vorlage: Änderung des Arbeitszeugnisses

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Ihrem Schreiben vom TT.MM.JJJJ haben Sie mir mein Arbeitszeugnis zugesandt.
Jedoch entspricht dieser nicht den gesetzlichen Vorgaben eines ordnungsgemäßen, wohlwollenden Arbeitszeugnisses (BGH Urteil vom 26. November 1963 DB 1964, S. 517), gemäß § 109 GewO.

Gemäß der oben genannten Norm habe ich Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Arbeitszeugnis.
Hierfür muss das Arbeitszeugnis genaue und zuverlässige Angaben über die tatsächlich verrichtete Tätigkeit beinhalten und die Leistungen, die erbracht wurden, durch eine wahrheitsgemäße, nach objektiven Grundsätzen ausgerichtete und nachprüfbare Gesamtbewertung beschreiben.

Ferner ist nicht gestattet, dass falsche Angaben im Zeugnis enthalten sind bzw. Angaben ausgelassen werden, sowie unschlüssige Formulierungen vorgenommen werden.

Das Arbeitszeugnis, welches mit Ihrem Schreiben vom TT.MM.JJJJ an mich versandt wurde, enthält den Absatz (hierbei den Abschnitt zitieren, der nach Ihrer Meinung kritisch ist und nicht der Wahrheit entspricht); welches zwar meine erbrachte Leistung wahrheitsmäßig zum Ausdruck bringt, dennoch die tatsächliche Ausführung meiner Tätigkeit in der Beschreibung durch die Formulierung nicht zu genüge getragen wird und somit nicht wahrheitsmäßig und wohlwollend dargeboten wird (Gründe und Argumente für die Einschätzung der ausgerichteten Tätigkeit darlegen).

Somit entspricht das Arbeitszeugnis nicht den Maßstäben der in der Literatur und Rechtsprechung im Bereich des Zeugnisrecht vertreten wird.

Ich fordere Sie daher höflichst auf, mir bis spätestens zum TT.MM.JJJJ (mindestens zwei Wochen) ein neues Zeugnis zu erteilen, welches den oben genannten gesetzlichen Maßstäben entspricht. Eine hierfür geeignete überarbeitete Zeugnisfassung füge ich Ihnen als Anlage bei.

Verstreicht die Frist fruchtlos, sehe ich mich leider gezwungen, meinen Anspruch auf Änderung des Arbeitszeugnisses vor Gericht geltend zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift

JuraRat Newsletter

Erhalten Sie 1x monatlich unsere kostenlosen Rechtstipps!

Nicht gefunden, was Sie gesucht haben? Hier auf JuraRat kostenlos und schnell Frage stellen!