BAföG Verlängerung - Überschreitungsvoraussetzungen

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 20. Juli 2012 - 16:15

Hallihallo, ich hätte eine Frage zum BAföG. Also ich bin derzeit am Ende meines Studiums. Habe aber leider meine Abschlussprüfung nicht bestanden. Ich müsste sie theoretisch jetzt im nächsten Semester wiederholen. Aber mein BAföG endet mit dem kommenden Semester. Ich habe gehört, dass in bestimmten Fällen eine Überschreitung genehmigt wird. In welchem Fällen ist das der Fall? Vielen Dank für die Antwort. Viele Grüße, Tatjana

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Hallo Cazo,

erstmals muss die Frage in Ihrem Fall beantwortet haben, ob die Frist zum Widerspruch verstrichen ist? Falls die einmonatige Frist verstrichen ist, können Sie nicht mehr einen Widerspruch einlegen. Diese müssen Sie in der Rechtsbehelfsbelehrung entnehmen.

Wichtig ist hierbei, dass Sie darauf achten, ob Sie wirksam belehrt wurden. Ist die Frist enthalten, ist enthalten, wo Sie den Widerspruch einlegen müssen, wie Sie den Widerspruch einlegen müssen? Schriftlich? etc.

Wenn diese Fragen beantwortet werden können, so scheint es zumindest, dass die Rechtsbelehrung wirksam zugetragen sein könnte.

Zu Ihrem Fall, wenn die Widerspruchsfrist nicht verstrichen ist:

Fraglich ist, wie lange Ihre Krankheit, wofür Sie ein Attest haben, angedauert hat?

War die Krankheit ursächlich auch dafür, dass Sie Ihre BA-Thesis nicht schreiben konnten?

Wenn ja, müssten Sie genau darlegen – genau heißt ausführlich darlegen – warum Sie gehindert waren und was die Krankheit bewirkt hat, dass Sie die BA-Thesis nicht schreiben konnten.

Haben Sie damals auch eine Studienplanung mit eingefügt? Das BAföG-Amt möchte lediglich sehen, dass Sie sich Mühe geben und Sie nur gehindert waren und nicht weil Sie faul waren.

War die Doppelklausur eine Voraussetzung für die Anmeldung BA-Thesis? Falls ja, könnten Sie diesbzgl. argumentieren. Falls nein, müssen Sie – wie bereits oben erklärt – genau darlegen können, weshalb es Ihnen nahezu unmöglich war, die BA-Thesis zu schreiben.

Wir würden an Ihrer Stelle, einen Widerspruch einlegen und nochmals detailliert auf die Krankheit eingehen und schreiben, wann Sie genau genesen sind und der Zeitpunkt der Genesung sich bereits nicht mehr im siebten Semester befand, sodass Sie auch nicht im siebten Semester mehr mit der BA-Thesis anfangen konnten – falls dies der Wahrheit entspricht. Dann sollten Sie eine Studienplanung in den Widerspruch hineinlegen, damit Sie aufzeigen, was Sie in diesem Semester alles sich vorgenommen haben und das mit dem Vollzeitarbeiten nebenbei nicht klappt.

Denn auch wenn Ihnen der Widerspruch wiedermals verneint wird, haben Sie es versucht.

Da uns die Einzelheiten nicht bekannt sind, können wir Ihnen auch nichts Explizites zu Ihrem Sachverhalt sagen. Es scheint so, dass das BAföG-Amt von Ihnen erwartet hat, dass Sie nach der  nicht geschriebenen Doppelklausur, die BA-Thesis hätten schreiben sollen. Und dadurch, dass Sie das nicht getan haben, scheint es so, als hätten Sie keine Lust dazu. An Ihrer Stelle würden wir darauf eingehen und nochmals erläutern, dass es Ihnen eventuell – falls es der Wahrheit entspricht – nicht möglich war, die BA-Thesis zu schreiben. Eventuell könnte Ihnen Ihr Arzt das attestieren.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen hilfreich sein.

Ich habe vor 6 Jahren „Wirtschaftswissenschaften“ studiert und nach dem 4 Semester, wo es überhaupt nicht mehr ging, zu „Soziale Arbeit“ gewechselt. (Nach dem Absolvieren des Studienkolleg W-Kurses, durfte ich entweder „WIWI“ oder „Soziale Arbeit“ studieren).

Danach folgte Unterbrechung des Studiums auf Grund der Schwangerschaft, des Umzuges in andere Stadt, nach der Geburt des Kindes entstandener gesundheitlicher Problemen und späterer Betreuung des Kindes.

Jetzt habe ich mein Studium wiederaufgenommen, bin jetzt im 2. Fachsemester, also studiere von Anfang an, wurde nicht viel anerkannt, habe  BAföG Antrag gestellt, muss aber den Studienwechsel begründen von „WIWI“ zu „Soziale Arbeit“. In der sozialen Beratung wurde mir ausdrücklich gesagt, dass BAföG beim Studienwechsel nach dem 4. Fachsemester absolut ausgeschlossen ist. Klang ziemlich deprimierend, möchte aber trotzdem versuchen. Meine Frage wäre, ob es  mit dem "absolut ausgeschlossen" stimmt, und worauf kommt es in der Begründung des Studienwechsels nach dem 4 Semester an?

viele Grüße,

Nala

Liebe Nala,

der Fachrichtungswechsel oder Schwerpunktswechsel führt nicht mehr wie vor 2010 dazu, dass kein BAföG mehr weiter gezahlt wird. Auch nach dem vierten Semester kann ein Fachrichtungswechsel dazu führen, dass normal mit BAföG weiter befördert wird. Erforderlich ist nur, dass die Begründung plausibel und nachvollziehbar ist. Und den Eindruck erweckt, dass Sie mit reiflicher Überlegung den Schritt gegangen sind und nicht unüberlegt und unbedacht gehandelt haben.

Vielmehr wird grundsätzlich geraten immer einen Antrag zu stellen und den Versuch zu unternehmen.

Wird spätestens nach dem 3. Semester gewechselt und liegt ein gesetzlich anerkannter Grund vor, wird weiter mit dem normalen BAföG befördert.

Wird jedoch – wie in Ihrem Fall – später als das 3. Semester gewechselt,  muss entweder

ein unabweisbarer Grund vorliegen, der den Fachrichtungswechsel begründet

oder

ein wichtiger Grund, der den Wechsel begründet, vorliegen.

Im letzteren Fall werden die angerechneten Semester nicht mehr von einer BAföG-Förderung gedeckt. Hierbei müssen Sie den Wechsel schriftlich begründen.

Bei Ihnen handelt es sich um einen Fachrichtungswechsel.

Laut Ihrer Aussage „überhaupt nicht mehr ging“  ist leider nicht klar und deutlich was damit gemeint werden könnte. Wenn Sie sich die Frage stellen würden, ob Sie wirklich keine andere Wahl hatten, das alte Studium fortzuführen – so handelt es sich dabei um einen „unabweisbaren Grund“. Das sind bspw. Verletzungen, die durch einen Unfall entstanden sind  oder Allergien gegenüber Stoffen, die indem Rahmen des Studiums benutzt werden, die dazu führen, dass die Ausübung des erlernten Berufes unmöglich wird.

Wenn Sie jedoch lediglich die Zwischenprüfung nicht bestanden haben, liegt kein „unabweisbarer Grund“ oder „wichtiger Grund“ vor. D.h. das auch nicht mit BAföG weiter befördert werden kann.

Ein „wichtiger Grund“ könnte dann vorliegen, wenn eine mangelnde intellektuelle, psychische oder körperliche Eignung vorliegt. Falls ein Studiengang studiert wird, welches den Inhalt einer Weltanschauung inne besitzt, kann auch eine Änderung der eigenen Konfession zu „einem wichtigen Grund“ führen. Auch kann ein schwerwiegender und grundsätzlicher Neigungswandel zu einem „wichtigen Grund“ führen, der dazu führt, dass Sie mit der Studiengangwahl einfach nicht klar kommen, weil Sie keinen Anschluss an die Materie finden oder es sich einfach nicht interessiert.

Sie haben geschrieben, dass Sie „nach dem 4. Semester“ aufgehört haben. Was bedeutet das?  Heißt das, dass Sie tatsächlich bis zum Ende des 4. Semesters an der Universität waren? Oder dass Sie bereits „Anfang des  4.  Semester“ aufgehört haben?

Falls Sie tatsächlich am Ende des 4. Semesters aufgehört haben, können Sie sich nur noch auf den „unabweisbaren Grund“ berufen. Nur bis zum „Anfang des 4. Semesters“ kann eine Berufung auf den „wichtigen Grund“ erfolgen, gem. § 7 Abs. 3 S. 1 BAföG (http://www.gesetze-im-internet.de/baf_g/__7.html).

Begründung:

Bei der Begründung müssen Sie klar und deutlich dem BAföG-Amt erklären, warum Sie trotz des Wechsels einen Anspruch auf Förderung haben sollten. Sie müssen zum Ausdruck bringen, dass Sie von Ihrem ersten Studiengang überzeugt waren und Sie tatsächlich der Auffassung waren, dass es sich bei dem ersten Studiengang um das richtige Fach handelt, was Sie gerne erlernen möchten. Dabei sollten Sie ruhig darauf eingehen, dass Sie sich gründlich informiert haben und bereits nach dem Abitur  sich über die Prüfungsordnung Gedanken gemacht haben und sich mit den Anforderungen im Studium beschäftigt haben. Jedoch haben Sie im Verlauf des Studiums einfach bemerkt, dass es keinen Sinn mehr macht oder Sie einfach keinen Anschluss an die Materie fanden und sich entschieden haben, den Studiengang zu wechseln.

Empfehlenswert wäre, wenn Sie nicht darauf eingehen würden, was in Ihrem neuen Studiengang viel besser ist als bei Ihrem ersten Studiengang. Lediglich sollte erwähnt werden, dass  Sie „nach reiflicher Überlegung“ sich nun für das neue Fach entschieden  haben und sich dort auch besser aufgehoben fühlen.

 

Haben Sie noch weitere Fragen?

Sehr geehrte Juristin,

ich danke Ihnen für die wichtigen Tipps, die ich bei der Begründung folgen werde und auch dafür, dass Sie mir wieder Mut gegeben haben, weiter zu machen!

Mit freundlichen Grüßen

Nala

 

Hallo liebes Jurateam,

ich habe auch eine Frage zum BAföG und zwar geht es um die "Förderung über die Förderungshöchstdauer hinaus".

Im WiSe 2009 habe ich ein Semester in Gießen studiert und aus persönlichen Gründen war ich gezwungen meinen Studienort zu wechseln. Daraufhin habe ich im SoSe 2010 angefangen in Siegen zu studieren. Derzeit bin ich im 8. Semester und kriege ab Ende dieses Semesters kein BAföG mehr, weil ich davor ein Semester in Gießen BAföG erhalten habe (Regelstudienzeit: 9 Semester).

Das Problem aber ist, dass ich noch einige Prüfungen mitschreiben muss und leider auf das Geld angewiesen bin. Zudem muss ich das Latinum noch nachholen, was mich vom eigentlichen Studium abhält (konnte aufgrund dessen nicht viele Veranstaltungen belegen). Vielleicht sollte auch erwähnt werden, dass das alte Lehramt im WiSe 2014 abläuft und ich nächstes Semester das letzte Mal die Chance habe die Latinumsprüfung zu schreiben. Deshalb stehe ich sehr unter Druck. 

Des Weiteren war ich in den letzten Semestern oft erkrankt und konnte an einigen Klausuren (4 Klausuren und eine Hausarbeit) nicht teilnehmen (Atteste liegen vor). Könnten Sie mir vielleicht diesbezüglich helfen? Es wäre wirklich sehr nett, wenn Sie mir eine Vorlage schicken könnten, weil ich leider überhaupt nicht weiß, wie ich vorangehen muss. Ich bedanke mich ganz herzlich!

Mit freundlichem Gruß,

Kristina 

PS: Das Wichtigste habe ich vergessen: Da das Grundstudium das Latinum beinhaltet, kann ich leider meine Examensprüfungen nicht schreiben. 

Hallo Kristina,

liegt bei Ihnen ein schwerwiegender Grund vor? Haben Sie Prüfungsmisserfolge erlitten? Hierzu können Sie sich am Anfang der Seite durchlesen, was unter  einem "schwerwiegenden Grund" und unter "einem Prüfungsmisserfolg" zu verstehen ist.

Laut Ihrer Schilderung erkennen wir keinen Prüfungsmisserfolg, da Sie die Klausuren und die HA nicht mitgeschreiben haben und diese nicht bestanden haben. Ein "schwerwiegender Grund" ist auch nicht ersichtlich. Daher können Sie sich auch schwer auf einen der Tatbestände berufen. Sind Sie Mitglied in einem Gremium an Ihrer Universität, wo Sie regelmäßig aktiv mitarbeiten? Gibt es andere Gründe?

Bei Krankheiten ist das BAföG-Amt sehr streng und weist Sie daraufhin, dass Sie sich ein Urlaubssemester hätten beantragen müssen.

Wenn Sie einen Text vorformulieren, können wir den überprüfen und ergänzen . Gerne können Sie sich hierzu an unseren Textbeispielen auf dieser Seite bedienen.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die schnelle Antwort. Ein schwerwiegender Grund liegt leider nicht vor. Auch bin ich kein Mitglied in einem Gremium. Ich werde in den nächsten Tagen meinen vorformulierten Text hochladen.

Vielen Dank.

Hallo liebes Team,

ich werde voraussichtlich auch beantragen, dass ich aufgrund erstmaligem Nichtbestehen der Abschlussprüfung 1 Semester zusätzlich BAföG erhalte. 

Jedoch gibt es in meinem Diplomstudiengang keine "Abschlussprüfung" in dem Sinne. Ich erhalte mein Diplom, wenn ich alle Prüfungen erfolgreich absolviere - Im Gegensatz zu beispielsweise Jura-Studenten, welche ein Examen letztlich absolvieren müssen.

Dann müsste doch bei mir "jede" Prüfung als Abschlussprüfung gelten oder? Ich habe exakt eine Prüfung im gesamten Studium erstmalig nicht bestanden.

Danke schonmal für eure Hilfe!

Hallo Tim,

wichtig für eine Förderung über die Förderungshöchstdauer hinaus ist, dass Sie einen Prüfungsmisserfolg erlitten haben. Der Prüfungsmisserfolg muss ursächlich für die Verlängerung Ihres Studiums sein.

Das was Sie hier über Ihren Diplomstudiengang erklärt haben, würden wir Ihnen empfehlen auch im Rahmen Ihres „formlosen Schreibens“ zu erwähnen. Zudem würden wir Ihnen empfehlen als Anhang den Prüfungsmisserfolg beizufügen und somit den Nachweis zu erbringen, dass Sie tatsächlich durch die Prüfung durchgefallen sind.  Anbei sollten Sie eventuell auch einen „Leistungsnachweis“ von Ihrem Prüfungsbüro beifügen, um dem BAföG-Amt zu zeigen, dass Sie bisweilen in der Regelstudienzeit sind – lediglich die eine Prüfung nicht bestanden haben – ansonsten alle Leistungsnachweise schon erbracht haben. Sie können sich gerne bzgl. der Anlagen an den hier existierenden Beispielvorlagen orientieren.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und schöne Weihnachten.

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