Fitness-Studio

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 25. Dezember 2011 - 14:33

Guten Tag, liebe Forum-Mitglieder,

vor geraumer Zeit habe ich mich bei einem Fitness-Studio angemeldet. Und war auch recht glücklich über diesen Umstand.
Doch letzte Woche habe ich mir leider das Bein gebrochen und liege mittlerweile noch im Krankenhaus. Ich werde wahrscheinlich auch noch die nächsten zwei Wochen hier liegen, weil einige Komplikationen bei der OP geschehen sind. D.h. ich werde wahrscheinlich das nächste halbe Jahr kein Sport machen dürfen.
Nun bin ich nicht nur auf gesundheitlicher Ebene verunsichert, sondern auch auf der vertraglichen Ebene zum Studio.
Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich eine Vertragslaufzeit von zwölf Monaten habe. Und diesen Vertrag erst nach diesem Zeitraum beenden kann.
Meine Frage nun:
Habe ich ein Sonderkündigungsrecht? Kann ich schon vorher vom Vertrag zurücktreten? Oder muss ich nun für die ganze Zeit meinen Beitrag zahlen, ohne Leistungen zu beziehen, da ich kein Sport machen darf?

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir weiterhelfen könnten. Schon jetzt möchte ich mich bei Ihnen bedanken.

Viele Grüße,
Pia

Noch keine Bewertungen

Liebe Pia,

erst einmal möchte ich Ihnen eine schnelle Genesung wünschen und hoffe, Ihnen nun mit meinen Ausführungen zumindest etwas helfen zu können.

An die Vertragsdauer ist ein Verbraucher grundsätzlich nicht immer gebunden und kann durch eine sofortige Kündigung den Vertrag beenden.
Auch wenn nun Ihr Vertrag, eine außerordentliche Kündigung nicht vorsehen sollte- ist dieser nach den AGB-Grundregeln unwirksam. Dann können Sie sich auf den § 314 Absatz 1 BGB berufen, die Ihnen als Verbraucher ein außerordentliches Kündigungsrecht zustehen lässt, wenn Sie sich auf einen wichtigen Grund berufen können.

Dies könnte z.B. bei Ihnen der Fall sein.
Aufgrund Ihres gebrochenen Beines, sind Sie für eine bestimmte Zeit und Dauer nicht imstande, Sport zu betreiben. Sie können aus Gründen, die Sie nicht selbst beeinflussen können für eine bestimmte Dauer die Einrichtungen des Studios nicht nutzen- da Ihnen aufgrund Ihrer Verletzung jede sportliche Betätigung verwehrt ist (http://www.lareda.hessenrecht.hessen.de/jportal/portal/t/1cum/page/bslar...).

Fraglich ist nun, ob es Ihnen möglich wäre nach dieser Zeit sich wieder sportlich zu betätigen. Und ob es genügt, wenn man Ihren Vertrag erst einmal pausiert, folglich Sie für die benannten Monate, wo Sie nicht imstande sind Sport zu betreiben, vom Vertrag befreit, d.h. Sie zahlen bis zur Genesung Ihres Beines keine Beiträge- erst wenn die Genesung stattgefunden hat, Sie wieder imstande sind Sport zu betreiben, wird Ihr Vertrag weiter fortgesetzt, ab dann werden Sie auch weiterhin Ihre Beiträge zahlen.

Viele Studien gewähren bei solchen Verletzungen eine Pausierung und sehen den Grund für eine außerordentliche Kündigung nicht, da sie meinen, dass nach einer gewissen vorhersehbaren Dauer, die Sportbetätigung wieder aufgenommen werden kann. Anders wäre es, wenn Sie an einer Krankheit leiden würden, die Ihnen tatsächlich für die gesamte Dauer nicht mehr gewähren würde, Sport zu betreiben.

Bedenken sollten Sie bei der Pausierung des Vertrages, dass die jeweiligen beitragsfreien Monate an das jeweilige Ende der Vertragslaufzeit angehängt werden, d.h. die Vertragslaufzeit verlängert sich und der Kündigungstermin verschiebt sich dementsprechend nach hinten.

Für die Darlegung des wichtigen Grundes gemäß § 314 Absatz 3 BGB muss die Kündigung innerhalb einer angemessenen Frist nach Erlangung der Kenntnis des Kündigungsgrundes erfolgen. D.h. für Sie, dass Sie umgehend eine ärztliche Bescheinigung von Ihrem Arzt für sich in Bezug auf die Sportunfähigkeit holen müssen und diese dann per Kündigungsschreiben oder Pausierungsschreiben (folglich schriftlich (!)) mit sofortiger Wirkung aufgrund von Krankheit an Ihr Fitness-Studio per Einschreiben mit Rückschein weiterleiten.

In Ihrem Schreiben sollten Sie auch deutlich daraufhin verweisen, dass Sie eine schriftliche Bestätigung der Kündigung/Pausierung erhalten wollen und dass Sie der erteilten Einzugsermächtigung von Ihrem Bankkonto widerrufen. So dass Ihnen auch tatsächlich nichts von Ihrem Bankkonto abgehoben wird.

Falls Ihr Arzt Ihnen eine ärztliche Bescheinigung erstellen sollte, ist es wichtig, dass daraus zu entnehmen ist, dass Sie für eine bestimmte Dauer sportuntauglich sind. Wichtig ist, dass Sie wissen sollten, dass Ihre Intimsphäre stets geschützt ist, auch wenn es darum geht, Ihre Erkrankung zu offenbaren hinsichtlich einer ärztlichen Bescheinigung gegenüber einem Dritten. Bei Krankheiten genießen Menschen Anspruch auf höchste Geheimhaltung, dies ergibt sich auch durch die Verschwiegenheitspflicht von Ärzten (http://www.lareda.hessenrecht.hessen.de/jportal/portal/t/1cum/page/bslar...).
Aus dem Grund können Sie Ihren Arzt daraufhin ansprechen, was er denn in die ärztliche Bescheinigung aufnehmen wird.

Liebe Grüße und einen schönen Abend

Vielen, vielen Dank Frau Juristin. Dank Ihnen bin ich vorzeitig aus dem Vertrag rausgekommen. Sonst hätte 6 Monate lang Beiträge bezahlen müssen! Ich bin soo froh. Ich hätte nicht gedacht, dass das so einfach funktioniert.

Viele Grüße,
Pia

JuraRat Newsletter

Erhalten Sie 1x monatlich unsere kostenlosen Rechtstipps!

Nicht gefunden, was Sie gesucht haben? Hier auf JuraRat kostenlos und schnell Frage stellen!