Gute Nachbarschaft: Grillen, Sonnen, Feiern

Gute Nachbarschaft: Grillen, Sonnen, Feiern

28 August 2014 - 09:00
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Etienne Rheindahlen / pixelio.de

Trotz herrlichem Sonnenschein und bei besten Wetterbedingungen kann zur Sommerzeit eine Schlechtwetterfront der etwas anderen Art aufziehen. Häufig geraten sich Nachbarn in die Haare, wenn sie ihre Lebensräume ins Freie verlagern. Auf Balkon und Terrasse geht es immer wieder rund. Dabei lösen oft Nichtigkeiten Zwiste aus. Die Redaktion von anwalt.de hat für Sie die goldenen Regeln für ein friedliches Miteinander zusammengestellt, damit Sie die Sommerzeit ohne Zoff genießen können – zusammen mit Ihren Nachbarn.

Nachts steigt die Party besser in den eigenen vier Wänden

Gelegentliches Feiern im Garten muss die Nachbarschaft hinnehmen. Nichtsdestotrotz hat man bei aller Feierstimmung permanent Rücksicht auf den Nachbarn zu nehmen. Nach 22 Uhr sollte man die Feier in die Wohnräume verlegen, wenn man nicht Ärger mit den Nachbarn bekommen will. Die Musik oder die Unterhaltung sollte nicht über Zimmerlautstärke liegen. Stören lärmende Gäste die nächtliche Ruhe, muss man mit dem Besuch der Polizei und mit einer saftigen Geldbuße rechnen.

Beim Grillen ist Rücksichtnahme oberstes Gebot

Wahre Grillmeister zeichnen sich nicht nur durch ihren Umgang mit dem Grillgut aus, sondern ebenfalls durch Rücksichtnahme auf die Nachbarn. Schließlich dürfen Nachbarn durch das Grillen nicht belästigt werden, bspw. indem der Rauch exorbitant intensiv in die Innenräume des Nachbarn zieht. Man sollte folglich darauf achten, wo man den Bratrost hinstellt. Grillfreunde werden sich über ein Urteil freuen, wonach sie in den Sommermonaten zweimal im Monat den Grill anfeuern dürfen (AG Westerstede, Beschluss v. 03.07.2009, Az.: 22 C 614/09). Ein grundsätzliches Grillverbot für die Terrasse und den Garten ist gesetzeswidrig. Anders dagegen beim Balkon: Hier ist ein Grillverbot zulässig, das der Vermieter anordnen kann.

Gegen normalen Lärm von Kindern ist der Nachbar machtlos

Wie Erwachsene dürfen auch Kinder ihren Balkon oder Garten in vollen Zügen genießen. Und dabei müssen sie die Möglichkeit zum Spielen und Toben haben. Nachbarn müssen Kinderlärm tolerieren. Dies gilt auf jeden Fall, wenn die Hausregeln eingehalten oder die Ruhezeiten beachtet werden (LG Heidelberg, Urteil v. 23.10.1996, Az.: 8 S 2/96).

Besser keine Mithörer beim Programm in TV und Radio

Auf dem Balkon und der Terrasse darf man fernsehen und Radio hören, wenn man es mit dem Geräuschpegel nicht überzieht. Trotzdem sollten zwischen 22.00 Uhr und 7.00 Uhr die Geräte ausgeschaltet bleiben (OLG Oldenburg, Urteil v. 29.07.2002, Az.: 13 U 53/02). Wird der Nachbar in seiner Nachtruhe gestört, kann es teuer werden. Außerdem bekommt man Ärger mit der Polizei. Kann man in einer Siedlung mit Reihenhäusern die Sendung auch noch auf den weiter entfernten Nachbargrundstücken klar hören, ist das Radio mit Sicherheit zu laut (OLG München, Urteil v. 03.09.1991, Az.: 25 U 1838/91).

Zu den Ruhezeiten besser Gras über die Sache wachsen lassen

Im Wohngebiet ist das Rasenmähen an Sonn- und Feiertagen ganztags und werktags von 20 bis 7 Uhr verboten. Noch härter sind die Zeitregeln für Laubbläser, Laubsammler und Grastrimmer. Sie dürfen außerdem werktags in der Zeit von 7 bis 9 Uhr, von 13 bis 15 Uhr und von 17 bis 20 Uhr nicht angeworfen werden. Wer sich nicht daran hält, riskiert nicht nur Scherereien mit den Nachbarn, sondern muss auch mit einer Geldbuße rechnen. Davon ausgenommen sind Geräte mit dem EU-Umweltzeichen, und selbstverständlich ist geräuscharme Handarbeit zugelassen.

Bei Dung und Dünger muss der Nachbar mit dem Mief leben

Das Ausbringen von Dünger und Pflanzenschutzmittel im Garten ist grundsätzlich gestattet. Gleichwohl muss man sich dabei an die Sicherheitsregeln und die Gebrauchsanleitung halten. In Nachbars Garten haben Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel nichts zu suchen. Deshalb sollten Heimgärtner beim Ausbringen des Gifts darauf achten, dass es nicht über die Grundstücksgrenze in den anderen Garten fließt oder als Wolke hinzieht. Hält man sich nicht daran, muss man für den entstandenen Schaden haften (BGH, Urteil v. 1984, Az.: V ZR 54/83).Geruchsbelästigungen durch Dünger und Gülle muss der Nachbar akzeptieren, wenn die Düngung fachgemäß erfolgte (OLG Düsseldorf, Urteil v. 28.07.1995, Az.: 11 U 24/94).

Kompost besser nicht vor Nachbars Nase

Gegen einen Kompost im Garten ist nichts zu sagen – solange ausreichend Abstand zum Grundstück des Nachbarn eingehalten wird. Die Nachbarschaft sollte weder von dem Geruch noch von Insekten oder Nagetieren belästigt werden. Auf keinen Fall darf der Komposthaufen direkt an der Grundstücksgrenze angelegt werden, sonst kann der Nachbar die Beseitigung des Komposthaufens verlangen (LG München, Urteil v. 23.12.1986, Az.: 23 O 14452/86).

 

Esther Wellhöfer, Redakteurin juristische Redaktion

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