Hitze im Büro – Was Betroffene tun sollen, können und müssen

Hitze im Büro – Was Betroffene tun sollen, können und müssen

14 Juli 2016 - 10:00
0 Kommentare
© WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

Bei heißen Temperaturen am Arbeitsplatz bekommt der Begriff „gutes Arbeitsklima“ eine neue Bedeutung. Hitze lässt einen nicht nur bereits im Sitzen schwitzen, bei hohen Temperaturen schmilzt obendrein auch die Leistungsfähigkeit. Schlimmstenfalls drohen gar Gesundheitsschäden. Daher beinhalten die Arbeitsschutzregeln auch Maßnahmen, die vor „hitzigen“ Situationen im Betriebsräumen schützen sollen.

Empfohlene Maßnahmen bei über 26 Grad Celsius im Raum

Den Sommer 2015 zählen Meteorologen bereits zu den heißesten Sommern seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Nur 2003 und 1947 war es bislang heißer. Das spüren auch viele Beschäftigte. Zu ihrem Schutz müssen die Arbeitgeber den Arbeitsschutz beachten, darunter auch die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR). Die ASR sollen dabei die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) konkretisieren. In Nummer 4 ASR A 3.5 finden sich darin auch Regeln zur Raumtemperatur, die nicht zu kühl aber eben auch nicht zu heiß sein darf.

Demnach soll die Lufttemperatur 26 Grad Celsius nicht übersteigen. Andernfalls sind zum Schutz vor übermäßiger Sonneneinstrahlung Fenster, Oberlichter und Glaswände mit Sonnenschutzvorrichtungen zu versehen. Neben schattenspendenden Jalousien und Markisen nennen die ASR dabei auch reflektierende Vorrichtungen und Sonnenschutzverglasungen. Das gilt besonders bei schweren körperlichen Arbeiten. Das Problem solcher technischen Maßnahmen aus Arbeitgebersicht sind allderings die Kosten.

Ab 31 Grad Celsius müssen Arbeitgeber handeln

So nennen die ASR beispielhaft weitere Maßnahmen, sobald die Temperatur der die Beschäftigten umgebenden Luft 26 Grad Celsius überschreitet. Dazu zählt eine effektive Jalousiensteuerung, damit die Räume sich nicht außerhalb der Arbeitszeiten aufheizen bzw. eine entsprechende Lüftungssteuerung, damit sie nachts auskühlen können. Umgekehrt soll man mögliche Wärmequellen in den Räumen ausschalten, z. B. nicht benötigte Maschinen, die zusätzliche Wärme ausstrahlen. Als weitere Maßnahmen werden das Lüften in den frühen Morgenstunden, das Lockern von Bekleidungsregeln und die Ausgabe von Getränken empfohlen. Sofern möglich, schlagen die ASR auch vor, die Arbeitszeiten in kühlere Tagesabschnitte wie etwa den frühen Morgen zu verlagern.
Sollen Arbeitgeber entsprechende Schutzmaßnahmen bei einer Lufttemperatur über 26 Grad Celsius ergreifen, so wird bei über 30 Grad Celsius aus dem „sollen“ ein „müssen“, wenn es nach dem die ASR festlegenden Ausschuss für Arbeitsstätten geht. Mit Überschreiten der Temperaturschwelle von 35 Grad Celsius gilt ein Raum als zur Arbeit ungeeignet, sofern ein besonderer Hitzeschutz – z. B. mittels Luftduschen, Wasserschleier, Hitzeschutzkleidung und längeren Erholungspausen – unterbleibt.

Sich selbst „hitzefrei“ geben! Geht das?

Der Arbeitgeber ist zum Arbeitsschutz seiner Mitarbeiter verpflichtet. Fragt sich, was diese tun können, wenn dieser nichts unternimmt? Kann sich ein Arbeitnehmer selbst „hitzefrei“ geben? Grundsätzlich ist das denkbar. Da die Arbeitgeberpflicht zum Arbeitsschutz mit der Arbeitspflicht des Arbeitnehmers korrespondiert, könnte er seine Arbeitsleistung solange zurückbehalten. Allerdings ist die Schwelle für eine berechtigte Arbeitsverweigerung nicht klar geregelt. Die Arbeitsgerichte würden im Einzelfall entscheiden. Arbeitnehmer dürften dabei nur in krassen Fällen mit extremen Temperaturen über längere Zeit Erfolg mit der Arbeitsverweigerung haben.

Arbeitsschutzüberwachung ist staatliche Aufgabe

Ein sicherer Weg ist daher bei Gesundheitsproblemen der Gang zum Arzt und die anschließende Krankschreibung. Bringen Gespräche mit Arbeitgeber sowie einem eventuell vorhandenen Betriebsrat nichts, kann auch ein Hinweis an die zuständige Arbeitsschutzbehörde hilfreich sein. Schließlich muss der Staat die Einhaltung des Arbeitsschutzes kontrollieren und sicherstellen.

Christian Günther, Assessor und Redakteur bei der anwalt.de services AG

Sie suchen einen passenden Anwalt oder möchten sich am Telefon beraten lassen?
anwalt.de unterstützt Sie gerne bei Ihren Fragen unter 0800-40 40 530 (gebührenfrei).

 

Artikel bewerten: 
Durchschnitt: 3.8 (6 Bewertungen)

JuraRat Newsletter

Erhalten Sie 1x monatlich unsere kostenlosen Rechtstipps!

Nicht gefunden, was Sie gesucht haben? Hier auf JuraRat kostenlos und schnell Frage stellen!