Ist es strafbar jemanden zu beleidigen?

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 31. März 2012 - 18:17

Heute wurde ich in der U-Bahn ungerechfertigterweise als "Idiot" beleidigt? Ist das strafbar? Wenn ja, wie kann man da vorgehen?

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Gemäß § 185 StGB ist das Wort „Idiot“ als Beleidigung strafbar. Bei einer Beleidigung handelt es sich um einen Antragsdelikt. D.h. dass Sie eine Anzeige gegenüber der Person bei der Polizei erstatten müssen. Sonst wird das Vergehen nicht verfolgt.
Sie liegt dann immer vor, wenn ein Angriff auf die Ehre eines anderen stattfindet. Wie z. B. durch die Kundgabe von Nicht-, Gering- oder Missachtung gegenüber einer Person. Diese können auch unter Zuschreibung negativer Qualitäten verstanden werden. Die Beleidigung muss einen ehrverletzenden Charakter oder ein herabwürdigendes Werturteil in sich tragen und gegenüber dem Betroffenen oder einem Dritten erfolgen.

Was wenn ich die Person nicht kenne? Darf ich sie festhalten, wenn er mir nicht seinen Namen nennt? Muss er mir seinen Ausweis zeigen? Oder darf ich nichts machen oder zugucken?

Auf keinen Fall dürfen Sie die Person festhalten. Sie können ihn lediglich bitten, seine Personalien Ihnen bekannt zu geben. In den meisten Fällen tun die Personen das aus bekannten Gründen nicht. In solchen Fällen dürfen Sie lediglich entweder die Person verfolgen und die Polizei dabei kontaktieren. Und übers Telefon in Verbindung mit der Polizei eine Lösung finden. Oder ggf. eine Anzeige gegen Unbekannt erstatten in Bezug auf einen Strafantrag bzgl. § 185 StGB.
Deshalb wäre es sehr ratsam, wenn sie die Möglichkeit hätten, den exakten Wortlaut sich zu notieren. Am besten wäre es tatsächlich, wenn Sie Zeugen hätten, die die Tat bezeugen könnten. Meistens werden solche Beleidigungen als Anzeigen eingestellt, da Aussage gegen Aussage steht. Aber prinzipiell entscheidet die Staatsanwaltschaft darüber.
Eins sollten Sie dennoch zusätzlich wissen. Beleidigen Sie in dem Moment der Beleidigung zurück, verwirklichen Sie im strafrechtlichen Sinne auch eine Beleidigung. Gem. § 199 StGB (http://dejure.org/gesetze/StGB/199.html) sind beide Parteien straffrei, wenn auf der Stelle die Beleidigung erwidert wurde.

In der Strafpraxis hat es die Bedeutung, dass ab Kenntnisstand der gegenseitigen Beleidigung, der Strafantrag eingestellt wird – unabhängig davon ob einer der Parteien einen Zeugen hat, der nachweislich darauf Bezug nehmen kann, wer zuerst die Beleidigung angesetzt hat. Eine Ausnahme wird lediglich bei rechtsextremistischen Äußerungen vorgenommen.

Vergessen Sie bitte nicht, dass wenn Sie einen Strafantrag bzgl. § 185 StGB stellen, Sie die Beweislast haben. Auch können Sie dann gegen die Person mit einer Privatklage gem. § 374 StPO vorgehen. Dabei sollten Sie beachten, dass im Falle der Einstellung des Verfahrens oder des Freispruchs des Beklagten, Sie eigenverantwortlich die Verfahrenskosten zu tragen haben. Eine Privatklage ist eine besondere Form des Strafprozessrechtes und bezieht sich auf ausgewählte Straftaten gem. § 374 Absatz 1 StPO (http://dejure.org/gesetze/StPO/374.html); bei diesen Straftaten ist das öffentliche Interesse an einer Bestrafung des Täters oder des Beklagten in Relation auf andere geringerer. Aus dem Grund ist bei einer Privatklage nicht die Staatsanwaltschaft als Anklagebehörde tätig, sondern Sie als Kläger sind ermächtigt, als Ankläger vor Gericht aufzutreten, indem Sie die Privatklage gegenüber dem Kläger erheben. Im Vergleich zu bekannten Gerichtsverhandlungen müssen Sie im Rahmen einer Privatklage eine Sicherheit für die Prozesskosten leisten und somit einen Gebührenvorschuss an das Gericht ableisten. Zuvor sind einige Schritte noch notwendig, wie die Anhörung des Täters bei einem Schiedsmann gem. §§ 379, 380 StPO (http://dejure.org/gesetze/StPO/379.html; http://dejure.org/gesetze/StPO/380.html). Daraufhin entscheidet das Gericht darüber, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, wenn dies so geschieht, wird dann die Hauptverhandlung wie in einem bekannten Strafprozess aufgenommen gem. §§ 383, 384 StPO (http://dejure.org/gesetze/StPO/383.html, http://dejure.org/gesetze/StPO/384.html ). Erwähnenswert und interessant wäre noch, dass die Staatsanwaltschaft die Anklage jederzeit übernehmen dürfte, wenn die Annahme auf ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestehen würde gem. § 377 Abs. 2 StPO (http://dejure.org/gesetze/StPO/377.html). Dabei sind Sie dann nicht mehr Ankläger, sondern Nebenkläger, gem. § 395 Abs. 3 StPO (http://dejure.org/gesetze/StPO/395.html). Anzumerken wäre auch, dass diese benannte Privatklage nicht gegenüber Jugendlichen erhoben werden kann, gem. § 80 JGG (http://dejure.org/gesetze/JGG/80.html)

Guten Tag.Wie verhält es sich in meiner Situation?Heute wurde ich als Idiot bezeichnet. Ich wurde nach Hause gefahren, da wir (Mitarbeiter) von der Arbeit von der Firma nach Hause gefahren werden.Der Kollege bzw. der Fahrer beleidigte mich als Idioten, weil ich ihm kein Fahrtweg gesagt hatte (was ich schon grotesk finde, da der Fahrer ja Schilder lesen kann).Seine genaue Wortwahl war:Bist du so ein Idiot, oder tust du nur so?!Unseren Chef haben ich das natürlich gemeldet, allerdings empfinde ich das sehr erniedrigend, da auch 2 Kollegen das mitbekommen hatten und diese dann sogar sich darüber lustig gemacht hatten. Ich fühle mich einfach verletzt und erniedrigt, so dass ich eine Anzeige in Betracht ziehe.Wie könnten meine Chancen bei einer Anzeige stehen?Freundliche Grüße

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