Mobbing, Bossing & Co.: Ärger mit den Kollegen

Mobbing, Bossing & Co.: Ärger mit den Kollegen

12 Februar 2015 - 10:00
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Kommt es am Arbeitsplatz zu Streit, können die Folgen manchmal gravierend sein. Denn unter Kollegen herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Immer wieder werden Mitarbeiter Opfer ihrer Kollegen oder Vorgesetzten. Das Phänomen wird allgemein als Mobbing oder Bossing bezeichnet – Letzteres liegt vor, wenn der Vorgesetzte einen Untergebenen mobbt. Mobbingopfer leiden oft unter körperlichen und seelischen Folgen. Häufig ist die Gesundheit auch langfristig angegriffen. Das kann sogar bis hin zu einer kompletten Erwerbsunfähigkeit gehen. Was können Mobbingopfer in einer solchen Situation tun und welche rechtlichen Ansprüche stehen ihnen zu?

Bei Mobbing ist der Arbeitgeber gefragt

Kommt es zu Mobbing, kann man zunächst den Mobber auf die Konsequenzen seines Verhaltens hinweisen. Denn Mobbing ist strafbar, etwa wenn es in eine Körperverletzung ausartet. Der Mobber muss nicht nur mit arbeitsrechtlichen Folgen (Abmahnung, Kündigung) rechnen, sondern auch mit einer strafrechtlichen Sanktion von einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe – je nachdem, wie schwer das Mobbing ist. Auch der Arbeitgeber kann in die Haftung genommen werden, wenn er bei Mobbing nicht einschreitet und etwa über eine Mediation versucht, die Fronten zwischen den Streithähnen zu klären. Das gilt natürlich erst recht, wenn der Chef selbst der Mobber ist. Das Opfer kann vom Mobber Schadensersatz und ggf. Schmerzensgeld fordern.

Persönlichkeitsverletzung muss vorliegen

Als Mobbing wird das systematische Schikanieren, Diskriminieren und Anfeinden verstanden. Allerdings ist nicht jede Reiberei im Arbeitsalltag als Mobbing zu qualifizieren. Denn es kann immer einmal zu Konfliktsituationen kommen, in denen der Arbeitgeber beispielsweise sein Direktionsrecht ausübt. Entscheidend für einen Anspruch auf Schmerzensgeld ist, dass eindeutig eine schikanöse Tendenz über eine gewisse Dauer erkennbar sein muss. Diese Situation muss zudem zu einer Verletzung der Persönlichkeit geführt haben. Beweispflichtig für diesen Tatbestand ist derjenige, der sich darauf beruft – also zunächst einmal der Gemobbte. Die Dokumentation der Ereignisse und auch der Beleg der gesundheitlichen Folgen der Mobbingattacken sind sehr wichtig in Hinblick auf die Geltendmachung späterer Entschädigungsansprüche.

Gesundheitsfolgen mit einem Attest belegen

Gesundheitliche Beeinträchtigungen sollte man sich von einem Arzt attestieren lassen. Sonst kann es später – für den Fall, dass man wegen Mobbing kündigt – möglicherweise Probleme mit dem Anspruch auf Arbeitslosengeld I geben. Eine Arbeitnehmerin, die ihren Arbeitsplatz wegen Mobbing gekündigt hatte, erhielt von der Bundesagentur für Arbeit eine Sperrzeit von 12 Wochen. Doch damit nicht genug: Später sollte sie die in diesem Zeitraum bezogenen Grundsicherungsleistungen zurückerstatten. Begründung der Arbeitsagentur: Sie habe ihre Hilfebedürftigkeit durch die Kündigung zumindest grob fahrlässig selbst herbeigeführt. Zudem konnte sie kein entsprechendes Attest vorlegen.

Zwischen Arbeitslosengeld und Grundsicherung unterscheiden

Dem erteilte jedoch das Landessozialgericht (LSG) Rheinland-Pfalz eine deutliche Absage. Denn für die Sperrzeiten hier galten nicht dieselben Maßstäbe. Im Gegensatz zur Grundsicherung – die von der Allgemeinheit finanziert wird – wird das Arbeitslosengeld I über Steuern finanziert. Dementsprechend war die Kündigung wegen Mobbings aus objektiver Sicht ausreichend nachvollziehbar. Ein ärztliches Attest, das die fehlende Möglichkeit belegt, in dieser Firma weiterzuarbeiten, war vorliegend nach Ansicht der Sozialrichter nicht erforderlich. Somit musste die Frau die während der Sperrzeit bezogenen Grundsicherungsleistungen nicht zurückerstatten.

(LSG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 26.02.2012, Az. L 3 AS 159/12)

anwalt.de-Tipp: Wenn man gemobbt wird, sollte man ein Mobbingtagebuch anlegen und darin die Attacken dokumentieren. Das kann später als Nachweis hilfreich sein –wenn die Angelegenheit vor Gericht enden sollte.

Esther Wellhöfer, Redakteurin juristische Redaktion

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