Offenes Gehalt

Gespeichert von J_M_108 am 15. Mai 2014 - 21:09

Hallo, ich habe eine Frage zum Gehalt.

Ich sollte bei einer Dame eine Lehre (Pferdewirtin) anfangen in Hamburg. Hier bin ich extra von Österreich "hinauf gezogen" die Dame hat mir zugesagt eine Wohnung zu stellen und 500 € pro Monat waren  - vor Zeugen - ausgemacht. Nun habe ich Mitte Februar dort - auf ihr Drängen hin - früher als geplant begonnen zu arbeiten. Sie meinte sie kümmert sich um Anmeldung etc.

Mein erstes "Gehalt" habe ich bar erhalten (250€, weil nur halber Monat). Dann meinte Sie, dass Sie mich doch nicht ausbilden möchte und hat mir gekündigt. Ich musste wieder aus der Wohnung raus, und alles wieder zurück nach Österreich fahren und habe bis heute für März noch keinen Cent gesehen.

Ich habe Sie schon per Mail und per Einschreiben mit Rückantwort mehrfach darauf hingewiesen, dass es noch ausständig (inklusive Aufstellung der Arbeitstage etc.) ist. Ich habe ihr 2 Mal eine Frist gesetzt. Aber Rückmeldung habe ich nie bekommen. Dann habe ich bei der Versicherung nachgefragt ob Sie mich überhaupt richtig angemeldet hat. Sie hatte mich für das erste halbe Monat gar nicht angemeldet und im zweiten für einen viel geringeren Betrag.

Nun meine Frage, was kann ich machen um an mein Geld zu kommen?

Und soll ich das der Versicherung melden (nicht korrekt angemeldet etc.)?

Ich weiß es ist nicht viel, und dafür zum Rechtsbeistand zu gehen erscheint mir irgendwie sinnlos, denn da würde ich mehr zahlen, als ich noch von der Dame bekommen müsste.

Vielen Dank schon mal!

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Hallo J_M_108,

haben Sie den einen Arbeitsvertrag unterschrieben? Wurde ein mündlicher Arbeitsvertrag wenigstens in Gegenwart von Zeugen abgeschlossen?

Falls Sie keinen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben, ist die Rechtslage etwas schwieriger, wenn keine Zeugen vorhanden sind. Hat Ihnen der Arbeitgeber die Ausbildung zu 100 % versprochen, sind Sie in diesem Glauben nach Deutschland gezogen, so könnten Sie auch Schadensersatz vor Gericht geltend machen und natürlich eine Lohnklage vor dem Arbeitsgericht erheben.

Sachlich zuständig ist das Arbeitsgericht gem. § 48 Abs. 1a ArbGG (http://dejure.org/gesetze/ArbGG/48.html) in dessen Bezirk der Arbeitnehmer gewöhnlich seine Arbeit verrichtet oder zuletzt gewöhnlich verrichtet hat.

Sie sollten jedoch vor der Klageerhebung eine Abmahnung mit einer Frist zur Zahlung des Lohnes versehen, an den Arbeitgeber senden (Einschreiben per Rückschein). Diese würde dann der Beweis vor Gericht sein.

Näheres hierzu können Sie aus unserem Blogbeitrag, die auch eine Vorlage beinhaltet, entnehmen:

http://jurarat.de/was-ist-zu-tun-wenn-der-arbeitgeber-den-lohn-nicht-zahlt

 

Die Erhebung der Klage vor dem Arbeitsgericht ist kostenlos und vor dem Gericht besteht kein Anwaltszwang, sodass Sie Ihre Klage auch selbst erheben können. Wichtig ist noch, dass Sie die Klage gerichtet auf den Bruttolohn  erheben sollten und sämtliche Verzugszinsen und Schadensersatzansprüche in die Klageschrift an der Rechtsstelle beim Gericht aufnehmen lassen. Denn das Gericht wird nur die Dinge prüfen, die Sie angeben und nicht darüber hinaus, auch wenn Ansprüche Ihrerseits bestehen sollten.

Bzgl. der Ansprüche an die Versicherung könnten Sie im Rahmen der Lohnklage, die auf den Bruttolohn gerichtet ist, den Ausgleich zurückerlangen und danach der Versicherung einzahlen.

 

Viele Grüße

 

 

Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.

Ich habe leider keinen Arbeitsvertrag unterschrieben, jedoch eine Zusage vor Zeugen und den gesamten E-Mailverkehr.

 

Es ist nicht unbedingt notwendig, dass der Arbeitsvertrag schriftlich abgeschlossen wurde. Dies resultiert aus der Formfreiheit des Arbeitsvertrages. Wenn Sie Zeugen für die Bestätigung der Arbeitsaufnahme haben, so reicht dies für die Beweisbarkeit aus. Da Sie auch von E-Mails etc. sprachen, haben Sie auch in der Hinsicht Beweise genug.

Ihren Anspruch per Lohnklage nachzuholen, steht Ihnen frei.

Viele Grüße

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