Scheidung/Ehegattenunterhalt/Gerichtskosten

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 10. März 2012 - 22:02

Hallihallo,

demnächst steht mir eine Scheidung bevor und ich habe schon ein ulkiges Gefühl dabei.
Meine Noch-Ehefrau hat bereits schon eine Anwältin. Muss ich beim Gerichtstermin auch mit einem Anwalt erscheinen? Wie hoch können die Gerichtskosten werden?
Ich ahne böses von meiner Frau. Während unserer gesamten Ehezeit hat sie nicht gearbeitet. Bin ich verpflichtet ihr Unterhalt zu zahlen. Wir haben keine gemeinsamen Kinder. Ich habe gehört, dass der Ehegattenunterhalt mit den Kindern zusammen hängt. Stimmt das?
Ich würde am liebsten meine Noch-Ehefrau nicht mehr sehen. Wenn ich nun einen Anwalt hätte, könnte dieser für mich vor Gericht gehen und die Scheidung vollziehen?

Dann hätte ich noch eine Frage: Kann man Gerichtskosten von der Steuer absetzen lassen?

Vielen Dank für die Antworten.

Noch keine Bewertungen

Bin ich verpflichtet ihr Unterhalt zu zahlen?

Der Gedanke, dass die Eheleute nach der Scheidung wieder eigenverantwortung und autonom für sich sorgen können wird in der Gesetzgebung gepflegt. Aus dem Grund wird der Ehegatten-Unterhalt nur unter bestimmten Fällen gewährleistet. Dann erst wird der sogenannte „nacheheliche Ehegattenunterhalt“ gefordert. Dies wäre bspw. wegen Krankheit oder wegen Beaufsichtigung der gemeinsamen jungen Kindern der Fall.

Muss ich beim Gerichtstermin auch mit einem Anwalt erscheinen?

Bei Scheidungen gibt es in Deutschland grundsätzlich Anwaltszwang. Denn der Scheidungsantrag kann nur von einem Anwalt beantragt werden.
Doch wenn Sie sich mit Ihrer Noch-Ehefrau über die Scheidung einig sind und sie bereits eine Anwältin hat, kann diese die Scheidung beantragen und auf eine einvernehmliche Scheidung Bezug nehmen. In einem solchen Fall können Sie sich dann die Anwaltskosten teilen.
Falls keine einvernehmliche Scheidung vorliegen sollte und Sie - wie erwähnt - ein ulkiges Gefühl haben, würde ich Ihnen empfehlen auch einen Anwalt zu beantragen. Da Sie berücksichtigen müssen, dass Anwälte parteiisch sind, d.h. der Anwalt würde vor Gericht nur die Interessen seiner Mandanten vertreten und dementsprechend handeln.

Wenn ich nun einen Anwalt hätte, könnte dieser für mich vor Gericht gehen und die Scheidung vollziehen?

Prinzipiell müssen die Parteien zum Scheidungstermin persönlich erscheinen und bzgl. ihrer Ehezeit angehört werden, um sicherzustellen, dass die Ehe gescheitert und zerrüttet ist. Des Weiteren ist ihr persönliches Erscheinen auch für gewisse Verhandlungen relevant. Denn sie müssen sich über die Fragen:
• Gemeinsame Hausratsverteilung
• Ehewohnung
• Ehegattenunterhalt
• Sorge- und Umgangsrecht der gemeinsamen Kinder, sowie der Kindesunterhalt
• Versorgungsausgleich

einig werden.

Zudem existiert ein online Scheidungsverfahren, welches seit geraumer Zeit angeboten wird. Weitere Informationen können Sie auf den Seiten entnehmen: http://de.wikipedia.org/wiki/Online-Scheidung; http://www.test.de/themen/steuern-recht/meldung/Internet-Scheidung-Nur-s....

Wie hoch können die Gerichtskosten werden?

Die Gerichtskosten bei Scheidungen richten sich nach den Einkommensverhältnissen der Eheleute und nach dem Streitwert.
Den Streitwert bzw. auch Gegenstandswert genannt lässt sich nach dem dreifachen Nettoeinkommen beider Parteien berechnen.

Herr Mustermann hat ein Nettoeinkommen von 2.000 EUR, seine Frau hat Einkünfte von 1.000 EUR. Das Gesamteinkommen der Ehegatten beläuft sich auf 3.000 EUR, multipliziert mit 3 ergibt das einen Streitwert in Höhe von 9.000 EUR. Davon müssen Sie nun einen Bruchteil zahlen. Dieser berechnet sich nach dem Anwaltskosten Gesetz. Bei einvernehmlichen Scheidung senken die Kosten um 25 %.

Kann man Gerichtskosten von der Steuer absetzen lassen?

In Bezug auf den Bundesfinanzhof (BFH) Urteil vom 12. Mai 2011 (Az. VI R 42/10) können sämtliche Zivilprozesskosten, folglich auch die Kosten eines Scheidungsverfahrens inklusive der Kosten für die streitigen Folgesachen, die ausgetragen werden als außergewöhnliche Belastungen gem. § 33 Abs. 1 Einkommenssteuergesetz (EStG) steuerlich berücksichtigt werden.
Außergewöhnliche Belastungen sind dem Steuerpflichtigen zwangsläufig entstehende größere Aufwendungen, die über die der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommens- und Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands entstehenden Kosten hinausgehen. Die Bedingungen für die Absetzbarkeit sind erfüllt, wenn über die Aufwendungen nicht hinweg gesehen werden kann. Dies liegt dann vor, wenn die Verfahrensführung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint. Letzteres ist dann erfüllt, wenn der Erfolg der Verfahrensführung mindestens ebenso wahrscheinlich wie ein Misserfolg ist. Gewöhnlich ist dies von der Finanzverwaltung nicht überprüfbar. Ferner sind die Verfahrenskosten nur dann absetzbar, wenn sie die persönlich zumutbare Belastung übersteigen. Je nach Familienstand, Steuerklasse und der Zahl der Kinder beträgt die persönliche Belastungsgrenze ein bis sieben Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte.

Zudem hat das Bundesministerium für Finanzen (BMF) mit dem Schreiben vom 20. Dezember 2011 die Finanzämter darüber in Kenntnis gesetzt, dass das o.g. Urteil über den entschiedenen Einzelfall hinaus Anwendung findet. Nichtsdestotrotz missachten dies die Finanzämter. Deshalb sollten Sie dies in Ihrem Einkommenssteuerbescheid überprüfen und notfalls fristwahrend Einspruch gegen den Bescheid einlegen mit dem Hinweis auf das Urteil vom BFG vom 12. Mai 2011 mit dem Az. VI R 42/10.

JuraRat Newsletter

Erhalten Sie 1x monatlich unsere kostenlosen Rechtstipps!

Nicht gefunden, was Sie gesucht haben? Hier auf JuraRat kostenlos und schnell Frage stellen!