Skiurlaub: Gut unterwegs auf der Piste

Skiurlaub: Gut unterwegs auf der Piste

22 Januar 2015 - 11:58
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Der Winter ist die Saison für Ski- und Snowboardfahrer. Doch wer den Wintersport unbeschwert genießen will, sollte einige rechtliche Dinge beachten. Schließlich ist die Piste kein rechtsfreier Raum. Und ein Skiunfall kann sich schnell ereignen. Die Redaktion von anwalt.de hat einige Tipps für Skifahrer und Snowboarder zusammengestellt, damit der Winterurlaub nicht zum juristischen Reinfall wird.

Beachten der zehn FIS-Regeln

Auf den Pisten und Hängen müssen Wintersportler die FIS-Regeln beachten. Sie geben Leitsätze vor, wie man sich verhalten soll, und dienen zur Vorbeugung von Unfällen. Umsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten ist auch hier Pflicht. Die Vorschriften stammen vom Internationalen Skiverband und sind auf allen Skipisten der Welt zu beachten und in den alpinen Ländern auch als Gewohnheitsrecht anerkannt.

Rücksichtnahme und Kontrolle (Regel 1 bis 3)

Natürlich ist auch auf den Pisten Rücksichtnahme oberstes Gebot. Zudem muss man darauf achten, seine Fahrweise den Witterungs- und Geländebedingungen anzupassen. Es wird stets auf Sicht gefahren. Derjenige, der von hinten kommt, muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Wintersportler nicht gefährdet.

Vorfahrt und Abstand (Regel 4 bis 6)

Anders als im Straßenverkehr darf auf Skipisten sowohl rechts als auch links überholt werden. Entscheidend ist etwas anderes: der Abstand. Man muss ausreichend Abstand zu anderen Fahrern lassen, damit diese für ihre Fahrt genügend Raum haben. Wer in einen Hang einfährt oder nach einem Stopp wieder startet, muss zunächst einen Blick nach oben werfen und sich vergewissern, dass er dies gefahrlos für sich und andere tun kann. Halten an unübersichtlichen Stellen ist zu vermeiden. Wer stürzt, muss zusehen, dass er gefährliche Stellen schnell wieder frei macht.

Sonstige Verhaltensvorschriften (Regel 7 bis 10)

Bei einem Auf- oder Abstieg zu Fuß und mit abgeschnallten Skiern oder abgeschnalltem Snowboard muss man den Rand der Piste benutzen. Die Zeichen und Markierungen an der Piste sind auf jeden Fall zu beachten. Ereignet sich ein Unfall, ist man zur Hilfeleistung verpflichtet. Auch einen Pass oder Ausweis sollte man stets bei sich haben, damit man sich im Notfall ausweisen kann.

Haftung für Skiunfälle

Kracht es doch einmal auf der Piste, bestimmt sich die Haftung danach, wer wie die FIS-Regeln eingehalten hat und welches Verschulden die Unfallbeteiligten trifft. Das Landgericht (LG) Ravensburg verurteilte einen zwölfjährigen Pistenrowdy gleich wegen mehrerer Verstöße gegen die FIS-Regeln zur Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld. Er war mit einer Skifahrerin an einer Stelle zusammengestoßen, an der verschiedene Pisten zusammenlaufen. Der von hinten kommende Jugendliche war viel zu schnell herangebraust, sodass die viel langsamer fahrende Skifahrerin und er zusammenstießen. Die Eltern des Jungen mussten allerdings nicht haften. Sie hatten ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt. (LG Ravensburg, Urteil v. 22.03.2007, Az.: 2 O 392/06)

Haftung des Skiliftbetreibers

Besonders unfallträchtig sind auch Skilifte. Der Betreiber eines Lifts haftet bei einem Unfall, wenn ihm ein Verstoß gegen seine Verkehrssicherungspflicht oder Sorgfaltspflicht angelastet werden kann. Er hat insbesondere dafür zu sorgen, dass die Liftanlage in einem Zustand ist, dass dadurch niemand gefährdet wird. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt a. M. verurteilte einen Skiliftbetreiber, weil dieser an der Talstation nicht dafür gesorgt hatte, dass ein Träger ausreichend gepolstert war. Ein Skifahrer war gegen den Stahlträger gefahren und hatte sich dabei verletzt. (OLG Frankfurt a. M., Urteil v. 10.09.2008, Az.: 1 U 184/07)

Private Haftpflichtversicherung zu empfehlen

Auf der Piste kann sich leicht ein Unfall ereignen. Zwar kommt die gesetzliche Krankenkasse für Behandlungskosten auf. Wer aber schuldhaft einen Skiunfall verursacht, muss mit erheblichen Kosten rechnen. Dann sind nicht nur Schadenersatz und Schmerzensgeld zu zahlen, sondern eventuell sogar eine lebenslange Rente oder noch mehr. Um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, empfiehlt sich deshalb eine private Haftpflichtversicherung.

Esther Wellhöfer, Redakteurin bei der anwalt.de services AG

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