Sommerzeit ist Schwimmbadzeit: Rechtstipps für Freibad & Co.

Sommerzeit ist Schwimmbadzeit: Rechtstipps für Freibad & Co.

16 Juli 2015 - 15:05
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Der Sommer ist ideal dafür, die heißen Tage im kühlen Nass zu verbringen, und Bäder haben dann bekanntlich Hochsaison. Allerdings verläuft der Badespaß nicht immer positiv und so mancher Badegast landete schließlich vor Gericht. Die Redaktion von anwalt.de informiert über wichtige Gerichtsentscheidungen rund um das Thema Schwimmbad. 

Der Bademeister ist der Meister des Bades

Die zentrale Figur im Schwimmbad ist der Bademeister. Badegäste sollten seinen Anweisungen Folge leisten. Ansonsten muss man mit einem Rauswurf rechnen. Das gilt auch, wenn das Bad von der Stadt oder Kommune betrieben wird. Wer sich nicht zu benehmen weiß, gegen den kann sogar ein dauerhaftes Badeverbot verhängt werden. 

Ein Senior, der immer wieder einen Kopfsprung ins Nichtschwimmerbecken gemacht hatte – obwohl ihm die Badeordnung, die das verbot, ausgehändigt worden war –, wurde dauerhaft des kommunalen Schwimmbades verwiesen, als er schließlich sogar ein 12-jähriges Mädchen untertauchte. Das Verbot wurde vom Verwaltungsgericht (VG) Mainz bestätigt (VG Mainz, Beschluss v. 11.07.2006, Az.: 6 L 527/06.MZ).

Bei Sprungtürmen und Rutschen ist Vorsicht angebracht

Gerade in den Bereichen für den Sprungbetrieb ist die Unfallgefahr besonders groß. Deshalb sollte man hier besonders umsichtig sein und darauf achten, dass man keine anderen Badegäste gefährdet. Schwimmer sollten die Zonen um Sprungtürme und Sprungbretter meiden. Auf der anderen Seite müssen auch Springer umsichtig handeln und darauf achten, dass sie auf niemanden draufspringen und niemanden verletzen. Es gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme, so das Oberlandesgericht Stuttgart (OLG Stuttgart, Urteil v. 13.04.2011, Az.: 13 U 16/11)

Besonders unfallträchtig sind Rutschen. Hier sollten die Sicherheitsregeln auf jeden Fall eingehalten werden, sonst kann die Rutschpartie ein böses Ende finden. Das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz hat zwei „Geisterkletterer“, die von unten in den Auslauf einer Steilrutsche geklettert waren, nach einem Unfall an der Wasserrutsche der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig befunden (OLG Koblenz, Urteil v. 21.06.2012, Az.: 2 U 271/11).

Mit Nässe ist auch außerhalb des Beckens zu rechnen

Auch außerhalb des Beckens müssen Besucher eines Schwimmbads oder einer Sauna mit Nässe und Pfützen auf dem Boden rechnen. Das hat das Oberlandesgericht Celle bestätigt (OLG Celle, Urteil v. 03.02.1999, Az.: 9 U 249/98). Eine Haftung des Betreibers für Ausrutscher ist daher in der Regel ausgeschlossen, außer in Extremfällen, beispielsweise wenn die Pfützen auf erhebliche bauliche Mängel zurückzuführen sind und der Betreiber seinen Verkehrssicherungspflichten nicht oder nicht ausreichend nachkommt. 

In einem Freibad wurde dementsprechend zweimal täglich die Liegewiese kontrolliert und abends gesäubert. Trotzdem trat ein Badegast, der barfuß unterwegs war, in ein Stück Knochen und zog sich so eine Blutvergiftung zu. Der Betreiber musste hier nicht haften, weil er seine Verkehrssicherungspflicht nach Ansicht des OLG Düsseldorf ausreichend erfüllt hatte (OLG Düsseldorf, Urteil v. 05.02.1987, Az.: 18 U 168/86)

Esther Wellhöfer, Redakteurin bei der anwalt.de services AG

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