Sorgerecht / Vormundschaft ist zu regeln

Gespeichert von Judith808680 am 10. Februar 2015 - 12:59

Folgender Sachverhalt:

Ich bin von meinem Exmann geschieden, wir haben einen gemeinsamen Sohn (6 Jahre). Er hat das halbe Sorgerecht - ABER kümmert sich nicht um sein Sohn, hat ihn seit der Trennung nicht einmal geholt, angerufen oder sehen wollen (ca. 4 Jahre). Mittlerweile bin ich glücklich in einer neuen Beziehung, mein Exmann ebenso. Mein jetziger Lebenspartner und ich wollen uns ein gemeinsames Haus kaufen.

Frage:

Sollte ich sterben (egal wie), würde ich ungern wollen, dass mein Exmann die Vormundschaft bekommt, da er sich nicht um meinen Sohn kümmert, selber NOCH 3 Kinder zu Hause hat und ich nicht will, dass er durch mein Tod und die Vormundschaft für meinen Sohn an das Haus rankommt, dass ich mir jetzt mit meinem neuen Partner kaufe. Mein Sohn soll schon seinen Anteil nach meinem Tod bekommen, ABER ich möchte nicht, dass mein Exmann dann für meinen Sohn entscheiden darf. Ich hätte gern, dass der Vormund dann meine Mutter wird (sie ist noch nicht so alt und sie hat dem auch zugestimmt). Nur was muss ich tun, dass mein Exmann keine Entscheidungsbefugnis über mein Nachlass hat und über mein Sohn hat?

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen.

Vllt. kann mir auch jemand sagen, wo ich mich richtig beraten lassen kann.

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Guten Abend Judith808680,

die Problematik und die Besorgnis, die Sie schildern, ist gerade ein bekanntes Problem bei geschiedenen Ehepaaren mit Kindern.

Sie haben in einer solchen Situation die Möglichkeit ein Testament aufzusetzen und Ihren Sohn als Vorerben einzusetzen und gleichzeitig Ihre Mutter als Nacherben zu bestimmen. Wenn Sie dies so gestalten, hat Ihr Exmann im Falle Ihres Todes und im Falle des vorzeitigen Todes Ihres Sohnes keinen Zugriff auf Ihr Vermögen, weil Ihre Mutter als Nacherbe eintritt.

Bestimmen Sie keinen Nacherben, so besteht die Möglichkeit, dass wenn Ihr Sohn vor Ihrem Exmann verstirbt, dass Ihr Exmann an das Vermögen herankommt und somit Zugriff auf Ihren Erbnachlass hat.

Zudem sollten Sie zusätzlich eine Regelung hinsichtlich der Vermögenssorge Ihres gemeinsamen Sohnes treffen.

Denn solange Ihr Sohn minderjährig ist, tritt Ihr Exmann als Sorgerechtberechtigter auch die Vermögenssorge des Kindes gem. § 1638 Abs.  1 BGB gemeinsam mit Ihnen und im Falle Ihres Todes, sogar das alleinige Sorgerecht. Unter die Vermögenssorge fallen jegliche Handlungen über das Vermögen des Kindes. D.h. auch das Erbe, welches Ihr Sohn von Ihnen erhält.

Im Rahmen des Testamentes sollten Sie daher die Vermögenssorge Ihres Mannes auf den Teil des Vermögens Ihres Sohnes ausschließen, den Ihr Sohn von Ihnen erhält. Nur so können Sie sichern, dass Ihr Exmann keinen Zugriff auf das Haus und das Erbe, welches Sie Ihrem Sohn hinterlassen, hat.

Schließen Sie die Vermögenssorge Ihres Exmannes nicht aus, erhält Ihr Exmann kraft Gesetzes gem. § 1680 Abs. 1 BGB die alleinige elterliche Sorge und somit auch die Vermögenssorge nach Ihrem Tod.

Schließen Sie die Vermögenssorge hinsichtlich Ihres Erbnachlasses an Ihren Sohn des Ihres Exmannes aus, wird Ihrem minderjährigen Sohn ein Pfleger durch das Familiengericht gem. § 1909 BGB zur Seite gestellt. Es ist möglich einen Pfleger, der sich um die Vermögenssorge des Kindes bzgl. des Erben kümmert, sogar namentlich im Testament gem. § 1917 Abs. 1 BGB zu benennen.

Wenn Sie 100 % sicher sein wollen, sollten Sie einen Anwalt mit dem Schwerpunkt Erbrecht kontaktieren, der sodann für Sie Ihr Testament mit den o.g. Regelungen auferlegt, damit das alles ganz sicher ist.

 

Viele Grüße,

Justus

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