Steuerrechtliche Bewertung von Bitcoins

Steuerrechtliche Bewertung von Bitcoins

30 März 2015 - 10:00
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von Stefan
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Bei Bitcoins handelt es sich um digitale Geldeinheiten, die seit 2009 an den Finanzmärkten für Aufsehen sorgen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen werden die Einheiten dabei nicht über ein zentrales System gehandelt, sondern können direkt zwischen den Besitzern untereinander getauscht werden.

In der Folge entziehen sich die Transaktionen regelmäßig der staatlichen Kontrolle und sind damit oftmals nur schwer nachzuvollziehen.

Bitcoins werden dabei von einer zunehmenden Anzahl an Geschäften als reguläres Zahlungsmittel akzeptiert. Gleichzeitig gewinnen sie jedoch auch als Kapitalanlage immer mehr an Bedeutung. Dieser Umstand ist insbesondere in den enormen Kursschwankungen und den daher theoretisch zu erzielenden Spekulationsgewinnen begründet. Da die Gesamtanzahl der Einheiten durch die kryptografische Entwicklung begrenzt ist, gelten Bitcoins zudem als weniger anfällig für weltweite Krisen und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

Die kryptografische Entwicklung der Bitcoins erfolgt dabei durch den Einsatz spezieller Algorithmen im Rahmen des sogenannten Minigs. Durch dieses Prinzip ist grundsätzlich jeder Nutzer eines Computers in der Lage, an der Entwicklung der Währungseinheiten teilzunehmen.

Da Bitcoins der staatlichen Kontrolle weitestgehend entzogen sind, ergeben sich in diesem Zusammenhang auch zahlreiche rechtliche Probleme. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die steuerrechtliche Bewertung des geschäftlichen Verkehrs mit Bitcoins.

 

Bitcoins und Steuerrecht

Da Bitcoins zunächst nicht in das traditionelle Muster einer Währung eingeordnet werden konnten, war die genaue steuerrechtliche Bewertung über einen längeren Zeitraum hinweg unklar. Da je nach steuerrechtlicher Einordnung an diese jedoch unterschiedliche finanzielle Folgen geknüpft sind, sah sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht inzwischen zu einer rechtlichen Bewertung der Einheiten gezwungen. Bitcoins sind demnach nicht als gesetzliches Zahlungsmittel, sondern als Rechnungseinheit einzustufen. Diese Einordnung entspricht der von Devisen, weshalb mit Ausnahme von bestimmten Besonderheiten auch grundsätzlich ähnliche Vorschriften zur Anwendung kommen.

 

Handel mit Bitcoins

Werden Bitcoins gehandelt, handelt es sich demnach um eine Verschiebung von Rechnungseinheiten. Hierbei kommen die Grundsätze des privaten Veräußerungsgeschäfts nach § 23 Einkommenssteuergesetz (kurz EStG) zur Anwendung. Diese Vorschrift bildet dabei eine Ausnahme von dem Grundsatz, nach dem in der Veräußerung eines zum Vermögen gehörenden Wirtschaftsguts in der Regel keine steuerrechtlich relevante Handlung zu sehen ist.

Nach dieser Bestimmung ist demnach auch ein aus dem Handel mit Bitcoins resultierender Kursgewinn bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen zu versteuern. Als Grundlage für die Berechnung wird dabei der persönliche Einkommenssteuersatz angewendet. Unabhängig von der Zeit zwischen Erwerb und Veräußerung der Bitcoins sind Kursgewinne bis zu einer Höhe von 600,00 € grundsätzlich steuerfrei. Gewinne dieser Art haben damit keine weitere steuerrechtliche Relevanz.

Anders sieht es hingegen bei Gewinnen in einer Höhe von über 600,00 € aus. In diesen Fällen ist zunächst auf den Zeitraum zwischen Erwerb und Veräußerung der Bitcoins abzustellen. Wurden die Einheiten erst später als ein Jahr nach dem Erwerb wieder veräußert, fallen auf den Kursgewinn ebenfalls keine Steuern an. Liegt zwischen Erwerb und Veräußerung hingegen ein Zeitraum von unter einem Jahr, muss der Gewinn vollständig versteuert werden. Dies gilt in diesem Fall für den gesamten Betrag einschließlich der 600,00 €.

Ist der genannte Kursgewinn nach den oben genannten Voraussetzungen steuerpflichtig, kann er jedoch mit möglichen Verlusten aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Umgekehrt lassen sich auch Kursverluste mit den Gewinnen aus anderen Geschäften gegenrechnen. Relevant ist in diesem Zusammenhang jedoch die Art der Geschäfte. Zur Verrechnung können demnach nur Gewinne oder Verluste aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften herangezogen werden. Wurden in einem Jahr keine Gewinne erzielt, lassen sich Verluste auch für eine Verrechnung zu einem späteren Zeitpunkt entsprechend vortragen.

 

Mining von Bitcoins

Da für die Entwicklung von Bitcoins neben einem Computer und einer funktionierenden Internetverbindung grundsätzlich kein weiteres Equipment benötigt wird, erfreut sich das Mining steigender Beliebtheit. Auch in diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage nach der steuerrechtlichen Bewertung einer derartigen Geschäftstätigkeit.

Hierbei muss zunächst zwischen dem Mining als private und als gewerbliche Tätigkeit unterschieden werden. Unabhängig von der Einstufung handelt es sich jedoch in keinem Fall um ein privates Veräußerungsgeschäft, da im Rahmen des Minings Bitcoins gerade nicht erworben, sondern selbst entwickelt werden.

Ist das Mining im konkreten Fall als private Tätigkeit einzustufen, gelten die Einnahmen dann als Einkünfte aus sonstigen Leistungen und bleiben bis zu einem Betrag von 256,00 € grundsätzlich steuerfrei. Für jeden Wert über diesen Freibetrag fällt in diesem Fall der persönliche Einkommenssteuersatz an. Gleichzeitig können jedoch auch zu tätigende Ausgaben verrechnet werden. In Betracht kommen hierbei insbesondere Werbungskosten und die Kosten für den im Rahmen des Minings verbrauchten Strom.

Anders stellt sich hingegen die Rechtslage hinsichtlich des Minings als gewerbliche Tätigkeit dar. Schwierigkeiten gestaltet in diesem Zusammenhang insbesondere die Abgrenzung zwischen privaten Handeln und gewerblicher Tätigkeit. Nach § 15 Abs. 2 Satz 1 EStG gilt eine Tätigkeit demnach stets dann als gewerblich, wenn sie selbstständig, nachhaltig und mit konkreter Gewinnabsicht betrieben wird.

Kann das Mining im konkreten Fall als gewerbliche Tätigkeit eingestuft werden, ergeben sich hieraus weitere rechtliche Verpflichtungen. Neben einer verpflichteten Anmeldung des Gewerbes bei dem zuständigen Gewerbeamt nach § 14 Abs. 1 GewO sind dabei insbesondere auch steuerrechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Der entstandene Gewinn ist danach vollständig steuerpflichtig. Zur Berechnung der Höhe des Gewinns finden in diesem Fall der Betriebsvermögensvergleich oder die Einnahmenüberschussrechnung entsprechende Anwendung.

 

Bitcoins und Umsatzsteuer

Auch das Verhältnis von Bitcoins und Umsatzsteuer war zunächst lange unklar. Inzwischen hat das Bundesministerium der Finanzen jedoch eine entsprechende Umsatzsteuerpflicht für die Zahlung mit Bitcoins verneint.

Unabhängig davon ist der Kauf von Waren regelmäßig als umsatzsteuerpflichtig zu qualifizieren. Dieser gesetzliche Umstand ändert sich grundsätzlich auch nicht bei Zahlung des Kaufpreises mit Bitcoins und ist daher strikt von der konkreten Befreiung der Umsatzsteuerpflicht für Bitcoins zu trennen.

 

Fazit

Auch wenn inzwischen einige staatliche Vorgaben zum Umgang mit Bitcoins vorliegen, sind diverse rechtliche Aspekte nach wie vor nur unzureichend bestimmt. Hierunter fällt insbesondere auch die Ermittlung der Veräußerungsgewinne bei Besitz von mehrere Depots. Auch ungeklärt bleibt weiterhin die Bestimmung von Kursgewinnen, wenn Bitcoins nacheinander erworben und wieder veräußert werden. In diesem Fall ist vor allem fraglich, ob die zuerst erworbenen Bitcoins dann auch als die zuerst wieder veräußerten Einheiten anzusehen sind.

Durch die steigende wirtschaftliche Bedeutung von Bitcoins ist daher zukünftig mit einer weiteren Konkretisierung der steuerrechtlichen Bewertung zu rechnen. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf die zunehmende Anzahl an digitalen Währungseinheiten und deren bei der steuerrechtlichen Bewertung zu berücksichtigenden Besonderheiten.

 

Quellen:

http://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2014/f...
http://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Jahresbericht/2013...

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