Sturm, Hagel, Regenschauer: Wetterfest in Sachen Recht

Sturm, Hagel, Regenschauer: Wetterfest in Sachen Recht

16 Oktober 2015 - 10:00
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Schwere Unwetter gab es 2015 in Deutschland bereits einige. Davon zeugen besonders die schweren Schäden, die Tornados in den Orten Bützow und Affing verursachten. Wen allgemein Sturm, Hagel oder Überschwemmung infolge schwerer Regenschauer trafen, fragt sich regelmäßig nach Beruhigung der Lage, unter welchen Umständen eventuelle Ansprüche gegenüber Versicherungen bestehen. Welche Versicherung zahlt? Wie sollte ich mich verhalten, wenn Haus, Auto oder Gesundheit in Mitleidenschaft geraten?

Mindestens Windstärke 8 erforderlich

Damit Versicherer bei Sturmschäden leisten, müssen entsprechende Windstärken vorliegen. Die Meteorologen gehen von einem stürmischen Wind ab Windstärke 8 aus. Darunter liegt nur ein steifer Wind vor. Ab Windstärke 9 ist von Sturm die Rede. Die für Versicherer ausschlaggebende Windstärke ist 8. Sie wird überschritten, wenn Winde am Ort des Schadens mit mehr als 61 km/h bliesen. Wer sich nicht sicher ist, ob das der Fall war, kann Auskunft beim Deutschen Wetterdienst erhalten. Ein schwerer Sturm (Windstärke 10), ein orkanartiger Sturm (Windstärke 11) und ein Orkan (Windstärke 12) erfüllen in jedem Fall die Anforderungen wie im übrigen auch Tornados.

Dach abgedeckt und Regen in der Wohnung

Ein Sturmgewitter beschädigt, wenn das Dach abgedeckt wird oder ein Baum darauf stürzt, oft nicht nur die Außenfassade. Durch die Öffnung eindringendes Regenwasser kann auch zu Schäden im Innenraum und der im Haus befindlichen Einrichtung führen. Die Frage nach der zuständigen Versicherung beantwortet folgende Grundregel: Schäden am Gebäude und alles, was mit ihm fest verbunden ist, ist Sache der Gebäudeversicherung. Im Beispielsfall also das Dach, aber auch Decken sowie Wände und Fenster.
Die Einrichtung ist über die Hausratversicherung versichert. In erster Linie zählen dazu Möbel und Elektrogeräte. Regnet es herein, weil – wie bei Stürmen besonders häufig – das Dach abgedeckt wurde, sind Folgeschäden mitumfasst. Sofern möglich, sollte man die undichte Stelle dennoch abdecken. Denn auch Versicherte haben insofern eine Schadensminderungspflicht. Mit dem eigentlichen Reparieren sollte man aber erst nach der Freigabe durch die Versicherung beginnen. Sonst kann diese ihre Leistung verweigern. Was man aufgrund des späteren Nachweises gegenüber der Versicherung tun sollte, ist eine Schadensdokumentation mittels Fotografien und gegebenenfalls auch Videoaufnahmen aus mehreren Perspektiven.

Der enge Zusammenhang zwischen Hausratversicherung und Gebäudeversicherung kann zu Überschneidungen führen. In der Regel reguliert die Versicherung den Schaden, die zuerst in Anspruch genommen wurde. Später gleichen die Versicherer dies im Innenverhältnis aus. Außerdem wichtig zu wissen: Gebäude- wie Hausratversicherung sind Sachversicherungen für eigene Sachen. Sie decken keine Schäden an Sachen Dritter ab. Insbesondere sind auch keine Personenschäden versichert.

Auto beschädigt durch Hagel oder Baum

Umstürzende Bäume und durch die Luft fliegende Teile können auch an Autos Schäden bis hin zum Totalschaden verursachen. Die Teilkasko genügt jedoch nur, wenn das Auto direkt getroffen wird, der Baum also darauf fällt. Liegt der Baum quer über der Straße und man fährt hinein oder landet beim Ausweichen im Graben oder an einem anderen Baum, dann hilft nur eine Vollkaskoversicherung.
Ebenfalls teilkaskoversichert sind Hagelschäden an Blech, Lackierung, Glas und Kunststoff. Versicherer können hier bei vielen Betroffenen statt vor Ort die gemeinsame Begutachtung in einer Werkstatt verlangen.

Personenschäden infolge Unwetter versichern

Werden Menschen bzw. fremde Sachen verletzt, bedarf es einer Haftpflichtversicherung. Auch für die Folgen eines Sturms kann man gegebenenfalls haftbar gemacht werden. Denn jeder Immobilieneigentümer ist grundsätzlich verantwortlich für die Gefahren, die von seinem Gebäude bzw. Grundstück ausgehen. Besonders alte Häuser mit lockeren Ziegeln oder Bäume, die nicht mehr standfest sind, bilden Gefahrenquellen. Nur wer nachweisen kann, diese regelmäßig kontrolliert zu haben, kann sich im Falle des Falles entlasten.
Dabei lässt sich diese sogenannte Verkehrssicherungspflicht nicht einfach auf andere übertragen. Der Eigentümer bleibt auch dann in der Pflicht zumindest die beauftragte Person zu überwachen und zu kontrollieren. Wichtig ist im Falle nicht selbst bewohnter, weil etwa an andere vermieteter Gebäude zu wissen, dass eine Gebäudehaftpflichtversicherung besteht. Eine private Haftpflichtversicherung genügt in diesem Fall nicht mehr.

Christian Günther, Assessor und Redakteur bei der anwalt.de services AG

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