Sind Versandkosten umsatzsteuerpflichtig?

Sind Versandkosten umsatzsteuerpflichtig?

16 September 2015 - 10:00
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Rechnungen müssen regelmäßig die Umsatzsteuer ausweisen, und zwar nicht nur für die Produkte, die verschickt werden, sondern auch für die Versand- und Verpackungskosten. Die deutschen Umsatzsteuervorschriften sind in § 12 Umsatzsteuergesetz geregelt. Weitere Rechtsgrundlagen sind die Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung, die Steuerdaten-Übermittlungsverordnung und die Preisabgabenvorordnung.

Umsatzsteuer oder Mehrwertsteuer?

Die Begriffe Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer werden in Deutschland synonym verwendet, ein Unterschied besteht faktisch nicht. Aus steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Hinsicht bestehen jedoch Unterschiede. Die Umsatzsteuer fällt an, wenn Waren oder Dienstleistungen verkauft werden. Sie wird prozentual nach dem getätigten Umsatz berechnet. Seit 1967 wird sie nach dem Mehrprinzip zwischen Einnahmen und Ausgaben verrechnet. Unternehmen sind berechtigt, beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen die von ihnen entrichtete Umsatzsteuer als Vorsteuer beim Finanzamt in Abzug zu bringen.

Die Rechtstheorie

Die Regeln des Umsatzsteuergesetzes schreiben vor, dass sämtliche Leistungen, die der Kunde erbringt, um die Ware zu erhalten, mit einer Umsatzsteuer zu berechnen sind. Zu diesen Leistungen zählen auch die Kosten für Verpackung und Porto. Ein häufig anzutreffender Irrtum ist, dass Portokosten generell umsatzsteuerbefreit sind. Diese Regelung gilt jedoch nur für die Unternehmen der Post. Meistens gehen diese Kosten nicht in die Produktkalkulation ein, sondern werden den Kunden separat in Rechnung gestellt. Die Versandkosten schließen Verpackungsmaterial, Porto, die Einhaltung der Verpackungsverordnung, Personal, Versicherungen, Zahlungsabwicklung und sonstige Posten ein. Und was ist zu beachten, wenn sich in einem Versandpaket Produkte mit verschiedenen Umsatzsteuersätzen befinden? Die Rechtsvorschriften sind auf den ersten Blick ganz einfach. Die Verpackungs- und Versandkosten sind eine Nebenleistung der verpackten und versendeten Produkte und teilen deren Steuer-Schicksal. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn die Verpackung einen eigenen Gebrauchswert darstellt. Das ist immer dann der Fall, wenn es sich um hochwertige Verpackungsmaterialien, wie zum Beispiel eine Gitterbox handelt. Dieser eigene Gebrauchswert wird getrennt von dem Warenwert ausgewiesen und besteuert.

Warenkörbe

Die Praxis verläuft jedoch nicht ganz so einfach wie die Rechtstheorie, denn Pakete erhalten nicht ausschließlich Warenkörbe, die demselben Umsatzsteuersatz unterliegen. Befinden sich in einem Paket Waren verschiedener Umsatzsteuerklassen, wird der Umsatzsteuersatz in Abhängigkeit des jeweiligen Warenwertes angesetzt. Ist das Buch mit 60 Prozent an dem Paket beteiligt und die CD mit 40 Prozent, gilt für den Buchwert 7 Prozent USt und für den Wert der CD 19 Prozent USt auf die Verpackungskosten. Manche Onlinehändler berechnen die MwSt für das Verpackungsmaterial nach dem Produkt, das den höheren Wert am Warenkorb verzeichnet. Beträgt der Wert der Bücher (7 % USt) 60 Euro und der Wert der CDs (19 % USt) nur 40 Euro, so wird das Verpackungsmaterial entsprechend mit 7 Prozent besteuert. Auch diese Vorgehensweise ist erlaubt.

Pauschale Versandkosten

Viele Shop Betreiber berechnen ihren Kunden für die Versendung ihrer Pakete pauschale Versandkosten. Sie berechnen diese zuvor in ihrer Produktkalkulation und stellen ihren Kunden einen bestimmten Betrag in Rechnung, der sich nach verschiedenen Produkt- und Gewichtskategorien und nach den Parametern (Gewicht und Größe) der Logistikanbieter richtet, der jedoch großzügig zugunsten der Kunden ausfällt. Dieser Betrag gilt dann grundsätzlich für alle Pakete einer bestimmten Produktkategorie. Manche Anbieter setzen eine Versandpauschale an, die laut Kalkulation ihre Kosten deckt, zum Beispiel 2,50 € pro Paket, gleichgültig, wie groß und schwer dieses ist. Bei den zuvor genannten Kostenaufschlägen für den Versand gilt gleichfalls das Umsatzsteuerrecht von 19 Prozent beziehungsweise 7 Prozent USt auf die Verpackungskosten als Nebenleistung auf die versendeten Produkte.

Versand im In- und Ausland

Diese Mehrwertsteuerregelung gilt für den Verkauf und Versand von Waren innerhalb Deutschlands. Beim Verkauf von Waren innerhalb der Europäischen Union ist zwischen der Veräußerung an Unternehmen und Verbraucher zu entscheiden. Beim Verkauf von Waren an Unternehmen in einem anderen EU-Land berechnet der deutsche Unternehmer keine Steuer, weder auf die Waren, noch auf die Verpackung. Voraussetzung ist, dass der Käufer in dem anderen EU-Land eine gültige MwSt.-Identifikations-Nummer hat. Für die von ihm entrichtete Mehrwertsteuer beim Einkauf des Verpackungsmaterials kann der deutsche Unternehmer beim Finanzamt jedoch Vorsteuer in Abzug bringen. Für den Verkauf an Verbraucher in einem anderen EU-Land fällt der reguläre Mehrwertsteuersatz an. Für Versendungen an Abnehmer in Drittländern außerhalb der EU ist generell keine Umsatzteuer zu berechnen. Auch in diesem Fall gilt das Recht auf Vorsteuerabzug.

Die Praxis im Versandhandel

Die rechtliche Lage ist die eine Seite, die Praxis sieht jedoch anders aus. Der Posten Versand ist ein wesentliches Element im Online- und Versandhandel. Um konkurrenzfähig zu bleiben, bieten viele Internetanbieter die versandkostenfreie Lieferung an, wobei die Verpackungskosten in die Produktkalkulation eingerechnet werden. Auf den ersten Blick sieht es daher so aus, als würden die Kunden tatsächlich nur für die Ware selbst, nicht jedoch für den Versand der Ware bezahlen. Dieses kostenfreie Modell vereinfacht den Versandvorgang für die Kunden erheblich, da sie sich keine Sorgen mehr um Gutscheincodes oder zeitnahe Sonderaktionen machen müssen, die Onlineshops häufig als Ausgleich für den berechneten Versand anbieten, um Kunden an sich zu binden. Eine komplette Versandkostenfreiheit bleibt damit eher die Ausnahme. Für die Unternehmen bedeutet der versandkostenfreie Versand ihrer Päckchen, dass sie keine Umsatzsteuer erheben und damit auch nicht die Vorsteuer für die Kosten dieser Dienstleistung beim Finanzamt in Abzug bringen können.

Gutscheine

Für die Ausstellung von Gutscheinen gelten sowohl im stationären Handel als auch im Onlinehandel besondere Regelungen. Viele Versandhändler kennen sich mit dem Steuerrecht nicht aus und besteuern die Gutscheine falsch oder führen die Mehrwertsteuer durch falsche Berechnung schlimmstenfalls doppelt an das Finanzamt ab. Eine gängige Praxis sind Versandgutscheine. Löst ein Kunde einen Versandgutschein ein, bekommt er sein Paket kostenlos nach Hause geliefert. Zunächst gilt eine einfache Regelung. Die Besteuerung der Gutscheine richtet sich nach dem Verwendungszweck. Ist ein Gutschein zweckgebunden, wird also eine konkrete Leistung angegeben, unterliegt er dem Regelsteuersatz von § 12 Umsatzsteuergesetz. Im Fall des Versandkostengutscheins muss der Händler das Päckchen, das er an den Kunden liefert, mit 19 % oder 7 % USt belegen. So ganz kostenlos bekommt der Kunde seine Lieferung im Endeffekt also nicht. Um die Besteuerung dieses Versandgutscheins zu umgehen, bleibt der Verwendungszweck offen, eine konkrete Leistung wird nicht beschrieben. Damit handelt es sich um einen Geldwert, da noch nicht feststeht, für welche Leistungen der Gutschein eingelöst wird. Zunächst bleibt unklar, ob die eingelösten Leistungen mit dem vollen oder dem halben Mehrwertsteuersatz belastet werden.

 

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Guten Tag

Ich nehme an für zusätzliche Zahlgebühren (z.B. 1 Euro Aufschlag bei Kreditkartenzahlung) gilt selbiges wie für Versandkosten, also auch diese unterliegen der MwSt.

Nun meine Frage: Wenn ich Gutscheine verkaufe (die eine Wert enthalten, z.B. 50 Euro zum Einlösen - aber nicht explizit für ein best. Produkt), so ist wohl hier zuerst von 0% MwSt auszugehen und erst beim Einlösen die MwSt zu berechnen. Wenn nun zum Erwerb des Gutscheines eine Zahlgebühr eingehoben wird, dann nehme ich an, dies ist wieder mit 0% UST zu besteuern.

Was ist bei gemischten Warenkörben? Jemand kauft Gutscheine für 50 Euro und zusätzlich ein Produkt um 3 Euro das der 19% UST unterliegt. Dazu kommen dann 1 Euro Zahlgebühr. 0% UST auf die Zahlgebühr oder 19% UST auf die Zahlgebühr? (Der Kunde könnte hier auch den komplizierten Weg gehen und im 1 Schritt nur den Gutschein kaufen, 0% UST, und in einem extra Vorgang den Gutschein einlösen um das 3 Euro Produkt zu erwerben - da fällt dann keine Zahlgebühr an, da ein Gutschein eingelöst wird)
Wie wäre hier vorzugehen? Ist 0% UST okay?

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