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Online-Casino Geld zurück: Verluste aus illegalen Casinos zurückfordern 2026

Kontoauszug, Smartphone mit Slot-Spiel und Taschenrechner auf einem Schreibtisch, Überschrift Online-Casino: Geld zurück
In Kürze:
In Kürze
  • Spielverluste bei Online-Casinos ohne deutsche Lizenz sind nach § 812 BGB zurückzuzahlen, der EuGH hat das Verbot am 16.04.2026 bestätigt.
  • Rückforderbar ist der Nettoverlust bis zu zehn Jahre rückwirkend, Verluste aus 2016 verjähren am 31.12.2026.
  • Der BGH verkündet seine Leitentscheidung am 28.01.2027, die Tendenz aus der Verhandlung ist spielerfreundlich.
Verbraucherrecht Glücksspielrecht Lesedauer: ca. 11 Min.

Ja, Verluste bei einem Online-Casino ohne deutsche Lizenz können Sie zurückfordern. Die Spielverträge sind nichtig, der Anbieter muss den Nettoverlust der letzten zehn Jahre erstatten. Der Europäische Gerichtshof hat am 16.04.2026 bestätigt, dass das deutsche Verbot mit EU-Recht vereinbar ist. Die letzte offene Instanz ist der Bundesgerichtshof, der sein Leiturteil am 28.01.2027 verkündet.

In diesem Beitrag erklären wir, welche Anbieter als illegal gelten, auf welcher Rechtsgrundlage der Anspruch beruht, welche Fristen laufen und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen. Am Ende finden Sie ein Musterschreiben für die erste Zahlungsaufforderung.

Die wichtigsten Fakten

Anspruchsgrundlage: § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB, weil der Spielvertrag nach § 134 BGB nichtig ist.

Betrag: Einzahlungen minus Auszahlungen im Zeitraum ohne deutsche Erlaubnis, dazu Zinsen ab Klageerhebung.

Fristen: drei Jahre ab Kenntnis, spätestens zehn Jahre ab Entstehung. Verluste aus 2016 verjähren am 31.12.2026.

Stand der Rechtsprechung: EuGH C-440/23 vom 16.04.2026 bestätigt das Verbot, BGH-Urteil I ZR 216/25 am 28.01.2027.

Wann gilt ein Online-Casino in Deutschland als illegal?

Bis zum 30.06.2021 war jedes Online-Casinospiel in Deutschland verboten. Der Glücksspielstaatsvertrag 2012 untersagte in § 4 Abs. 4 das Veranstalten und Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet vollständig, nur Sportwetten konnten unter engen Voraussetzungen konzessioniert werden. Wer in dieser Zeit Slots, Roulette oder Blackjack online angeboten hat, handelte ohne Erlaubnis.

Seit dem 01.07.2021 gilt der Glücksspielstaatsvertrag 2021. Virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten sind seitdem erlaubt, aber nur mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL. Online-Tischspiele wie Roulette und Blackjack bleiben Landesmonopolen vorbehalten und sind bei privaten Anbietern weiterhin verboten.

Für Ihren Anspruch zählt deshalb der Zeitraum ohne deutsche Erlaubnis. Ein Anbieter, der erst im März 2023 eine GGL-Lizenz erhalten hat, haftet für alle Verluste davor. Eine Lizenz aus Malta, Gibraltar oder Curaçao ersetzt die deutsche Erlaubnis nicht, das hat der EuGH ausdrücklich bestätigt.

Lizenzierte Anbieter sind nicht betroffen

Verluste bei einem Anbieter, der im Spielzeitraum eine gültige GGL-Lizenz für das jeweilige Spiel hatte, können Sie nicht zurückfordern. Das Spiel war erlaubt, der Vertrag ist wirksam. Prüfen Sie deshalb immer Spielzeitraum und Lizenzdatum zusammen.

Auf welcher Rechtsgrundlage bekommen Sie das Geld zurück?

Der Anspruch ist ein bereicherungsrechtlicher. Verstößt ein Vertrag gegen ein gesetzliches Verbot, ist er nach § 134 BGB nichtig. Das Glücksspielverbot des § 4 Abs. 4 GlüStV 2012 und die Erlaubnispflicht des § 4 Abs. 1 GlüStV 2021 sind solche Verbotsgesetze. Jeder einzelne Spielvertrag mit einem nicht lizenzierten Anbieter war damit von Anfang an unwirksam.

Ohne wirksamen Vertrag fehlt für Ihre Einzahlungen der Rechtsgrund. Sie können das Geld nach § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB herausverlangen. Wie dieser Anspruch bei Online-Diensten allgemein funktioniert, erklärt unser Ratgeber zur Rückforderung nach § 812 BGB. Daneben kommt ein Schadensersatzanspruch nach § 823 Abs. 2 BGB in Betracht, weil das Glücksspielverbot auch Sie als Spieler schützt.

Die zwei Einwände der Anbieter

Anbieter berufen sich erstens auf § 762 BGB. Danach kann Geld, das bei Spiel oder Wette gezahlt wurde, nicht zurückgefordert werden. Die Vorschrift setzt aber einen wirksamen Spielvertrag voraus. Bei einem nichtigen Vertrag greift sie nicht, darin sind sich die Oberlandesgerichte einig.

Zweitens wird § 817 Satz 2 BGB angeführt: Wer selbst gegen ein Verbot verstößt, soll nichts zurückbekommen. Das gilt nur, wenn Sie das Verbot kannten oder sich der Kenntnis leichtfertig verschlossen haben. Die Beweislast dafür trägt der Anbieter. Die meisten Oberlandesgerichte, zuletzt das OLG München im Juni 2026 (Az. 36 U 1331/25), haben den Einwand zurückgewiesen, weil das Angebot in deutscher Sprache mit deutschen Zahlungsmethoden den Eindruck der Legalität erweckt hat.

Was hat der EuGH am 16.04.2026 entschieden?

Das Urteil in der Rechtssache C-440/23 war der entscheidende Durchbruch. Ein maltesisches Gericht hatte dem EuGH die Frage vorgelegt, ob das deutsche Totalverbot für Online-Casinospiele die Dienstleistungsfreiheit verletzt. Die Antwort ist eindeutig: Das Verbot war unionsrechtskonform, die Nichtigkeit der Spielverträge und die Rückzahlungsklagen der Spieler sind mit EU-Recht vereinbar.

Drei Punkte des Urteils sind für Ihre Klage wichtig:

  • Die bloße Teilnahme am Spiel macht die Rückforderung nicht rechtsmissbräuchlich.
  • Eine maltesische Lizenz schützt den Anbieter nicht vor Ansprüchen deutscher Spieler.
  • Das Urteil betrifft Online-Casinospiele. Sportwetten werden im Verfahren C-530/24 gesondert entschieden.

Für Sportwetten hat der Generalanwalt am 19.03.2026 seine Schlussanträge vorgelegt. Er hält einen Wettanbieter ohne deutsche Konzession ebenfalls für rückzahlungspflichtig, es sei denn, deutsche Behörden hätten ihm verbindlich zugesichert, die Konzessionspflicht nicht durchzusetzen. Das EuGH-Urteil dazu steht noch aus, der EuGH folgt den Schlussanträgen aber in der Regel.

Was entscheidet der BGH am 28.01.2027?

Der Bundesgerichtshof hat das Verfahren I ZR 216/25 mit Beschluss vom 19.05.2026 zum Leitentscheidungsverfahren bestimmt. Ein Spieler verlangt dort 10.092 Euro zurück, die er zwischen Dezember 2020 und September 2022 bei einem maltesischen Anbieter ohne deutsche Lizenz verloren hat. Landgericht Heilbronn und OLG Stuttgart hatten ihm das Geld zugesprochen.

Am 17.09.2026 hat der I. Zivilsenat mündlich verhandelt, parallel dazu das Verfahren I ZR 78/25 zu Einsätzen während eines Auslandsaufenthalts. Nach übereinstimmenden Terminsberichten zeichnet sich eine spielerfreundliche Linie ab. Der Senat hat angedeutet, dass der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland entscheidend ist und vorübergehende Auslandsaufenthalte den Anspruch nicht ausschließen. Bei der Verjährung tendiert der Senat nach den Berichten zur dreijährigen Regelfrist, nicht zur zehnjährigen Frist des § 852 BGB.

Beide Urteile werden am 28.01.2027 verkündet. Bis dahin bleiben die Hinweise aus der Verhandlung unverbindlich, aber sie geben die Richtung vor. Bereits 2024 hatte der BGH in Hinweisbeschlüssen zu Sportwetten und Online-Casinos erkennen lassen, dass er Rückzahlungsansprüche für begründet hält.

Wie viel Geld bekommen Sie zurück?

Rückforderbar ist der Nettoverlust im Zeitraum ohne deutsche Erlaubnis. Sie addieren alle Einzahlungen an den Anbieter und ziehen alle Auszahlungen ab, die Sie erhalten haben. Boni und Spielguthaben, die nie auf Ihrem Konto gelandet sind, bleiben außen vor. Ab Zustellung der Klage kommen Prozesszinsen von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz hinzu (§ 291 BGB).

RechenbeispielBetrag
Einzahlungen per Kreditkarte, Sofortüberweisung und E-Wallet, Mai 2018 bis Februar 202318.450 €
Auszahlungen des Anbieters im selben Zeitraum- 6.120 €
Einzahlungen nach Erteilung der GGL-Lizenz im März 2023nicht rückforderbar
Rückforderbarer Nettoverlust12.330 €

Die Gerichte haben in den vergangenen Monaten Beträge in dieser Größenordnung regelmäßig zugesprochen. Das OLG Köln hat im Januar 2026 rund 25.600 Euro zuerkannt, das OLG Nürnberg im Mai 2026 rund 7.900 Euro. Die Höhe hängt allein von Ihren belegbaren Zahlungsflüssen ab, nicht vom Verhandlungsgeschick.

Welche Fristen müssen Sie einhalten?

Zwei Verjährungsfristen laufen nebeneinander. Die Regelverjährung von drei Jahren beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem Sie von den anspruchsbegründenden Umständen Kenntnis hatten oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätten haben müssen (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB). Wann diese Kenntnis bei Casino-Verlusten vorliegt, beurteilen die Gerichte unterschiedlich. Einige stellen auf das Spiel selbst ab, andere auf den Zeitpunkt, zu dem Rückzahlungsklagen öffentlich bekannt wurden.

Unabhängig von jeder Kenntnis verjähren Bereicherungsansprüche zehn Jahre nach ihrer Entstehung (§ 199 Abs. 4 BGB). Das ist die harte Grenze. Verluste aus dem Jahr 2016 sind damit nur noch bis zum 31.12.2026 durchsetzbar, Verluste aus 2017 bis Ende 2027.

Die Verjährung wird nach § 204 BGB gehemmt, sobald Sie Klage erheben oder einen Mahnbescheid beantragen. Eine außergerichtliche Aufforderung reicht dafür nicht. Tipp: Wenn alte Verluste zum Jahresende verjähren, beantragen Sie rechtzeitig vor dem 31.12. einen Mahnbescheid, das kostet bei 10.000 Euro Streitwert nur eine halbe Gerichtsgebühr und sichert die Frist.

Wie fordern Sie Ihre Verluste Schritt für Schritt zurück?

  1. Lizenzstatus und Zeitraum prüfen Stellen Sie fest, ob und ab wann der Anbieter eine deutsche Erlaubnis hatte. Für Verluste vor dem 01.07.2021 ist die Antwort bei Casinospielen immer: keine. Für spätere Verluste zählt das Datum der GGL-Lizenz.
  2. Transaktionshistorie beschaffen Fordern Sie beim Anbieter die vollständige Ein- und Auszahlungsliste an. Als Verbraucher haben Sie darauf ein Auskunftsrecht nach Art. 15 DSGVO, das der Anbieter binnen eines Monats erfüllen muss. Ergänzend sichern Sie Kontoauszüge, Kreditkartenabrechnungen und die Zahlungshistorie von E-Wallets.
  3. Nettoverlust berechnen Einzahlungen minus Auszahlungen, getrennt nach Zeiträumen mit und ohne Lizenz. Eine Tabelle mit Datum, Betrag und Zahlungsweg ist später die Grundlage der Klageschrift.
  4. Verjährung prüfen Markieren Sie Verluste, die älter als sieben Jahre sind. Für diese muss die Hemmung noch im laufenden Jahr erfolgen.
  5. Finanzierung klären Stellen Sie eine Deckungsanfrage bei Ihrer Rechtsschutzversicherung. Ohne Versicherung prüfen Sie ein Angebot eines Prozessfinanzierers oder finanzieren die Klage selbst.
  6. Zahlungsaufforderung mit Frist Fordern Sie den Anbieter schriftlich zur Rückzahlung auf und setzen Sie eine Frist von 14 Tagen. Die meisten Anbieter zahlen außergerichtlich nicht, das Schreiben belegt aber den Verzug.
  7. Klage am eigenen Wohnsitz Als Verbraucher klagen Sie vor dem Gericht Ihres Wohnorts, auch gegen einen Anbieter in Malta (Art. 18 Abs. 1 Brüssel-Ia-VO). Es gilt deutsches Recht. Ab 5.000 Euro Streitwert ist das Landgericht zuständig, dort besteht Anwaltszwang.
  8. Urteil vollstrecken Ein deutsches Urteil ist in jedem EU-Staat vollstreckbar. Bei maltesischen Anbietern kann das Gesetz Bill 55 die Vollstreckung vor Ort verzögern. Pfändungen von Konten in anderen EU-Staaten bleiben nach dem EuGH-Urteil C-198/24 vom 21.05.2026 möglich.

Anwalt, Prozessfinanzierer oder selbst klagen?

Die Wahl entscheidet darüber, wie viel vom erstrittenen Betrag bei Ihnen bleibt. Mit Rechtsschutzversicherung ist der Weg klar: Deckungsanfrage stellen, Anwalt beauftragen. Viele Versicherer decken die Klage über den Baustein Vertragsrecht, einzelne lehnen Glücksspielfälle ab, dann lohnt sich ein Widerspruch gegen die Ablehnung.

Weg Kosten für Sie Geeignet wenn
Anwalt mit Rechtsschutz Selbstbeteiligung, meist 150 bis 300 Euro Sie eine Police mit Vertragsrecht haben, die vor dem ersten Spiel abgeschlossen wurde
Prozessfinanzierer Kein Vorschuss, Erfolgsprovision häufig rund 30 Prozent der Verlustsumme, teils bis knapp 50 Prozent des erstrittenen Betrags Sie das Kostenrisiko nicht tragen können und der Verlust mindestens im mittleren vierstelligen Bereich liegt
Anwalt auf eigene Rechnung Gerichts- und Anwaltskosten als Vorschuss, bei Erfolg erstattet der Anbieter sie Der Fall klar liegt und Sie den vollen Betrag behalten wollen
Selbst klagen Gerichtskosten, keine Anwaltskosten Nur bis 5.000 Euro Streitwert vor dem Amtsgericht, wegen der komplexen Rechtslage nicht empfehlenswert

Beachten Sie: Verträge mit Prozessfinanzierern verbieten in der Regel, ohne deren Zustimmung einen Vergleich zu schließen. Lesen Sie Provisionshöhe und Berechnungsgrundlage genau, bevor Sie unterschreiben. Bei Rückzahlungen oberhalb von 10.000 Euro ist der Anwalt auf eigene Rechnung meist der wirtschaftlichere Weg.

Musterschreiben: Aufforderung zur Rückzahlung

Mit diesem Schreiben fordern Sie den Anbieter außergerichtlich auf. Senden Sie es per E-Mail an die im Impressum genannte Adresse und zusätzlich per Einschreiben an den Firmensitz. Ersetzen Sie die kursiven Felder durch Ihre Angaben.

Muster

Vorname Nachname
Straße, PLZ Ort
E-Mail

Anbieter Ltd.
Anschrift laut Impressum

Ort, Datum

Rückforderung von Spieleinsätzen, Spielerkonto Nutzername / Kundennummer

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe im Zeitraum vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ auf Ihrer Plattform an Online-Glücksspielen teilgenommen. Sie verfügten in diesem Zeitraum über keine Erlaubnis nach dem Glücksspielstaatsvertrag. Die mit mir geschlossenen Spielverträge sind daher nach § 134 BGB in Verbindung mit § 4 Abs. 4 GlüStV 2012 beziehungsweise § 4 Abs. 1 GlüStV 2021 nichtig.

Ich fordere Sie auf, die von mir geleisteten Einzahlungen in Höhe von Summe Einzahlungen Euro abzüglich der erhaltenen Auszahlungen in Höhe von Summe Auszahlungen Euro, mithin Nettoverlust Euro, gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB bis zum Datum, 14 Tage ab Zugang auf mein Konto IBAN zu überweisen.

Zugleich fordere ich Sie nach Art. 15 DSGVO auf, mir innerhalb eines Monats eine vollständige Aufstellung aller Ein- und Auszahlungen meines Spielerkontos zu übermitteln.

Nach fruchtlosem Fristablauf werde ich meine Ansprüche ohne weitere Ankündigung gerichtlich geltend machen.

Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift

Fazit zum Thema Online-Casino Geld zurück

Verluste bei einem Online-Casino ohne deutsche Lizenz sind rückforderbar, und zwar für bis zu zehn Jahre. Der EuGH hat die letzten unionsrechtlichen Zweifel am 16.04.2026 ausgeräumt, die Oberlandesgerichte sprechen Spielern die Beträge seit Jahren zu. Offen ist allein die Feinjustierung durch den BGH am 28.01.2027, vor allem bei der Verjährung. Wer Verluste aus 2016 hat, darf darauf nicht warten und muss die Frist noch 2026 hemmen. Sammeln Sie Ihre Zahlungsbelege, berechnen Sie den Nettoverlust und lassen Sie den Fall anwaltlich prüfen, bevor Sie einen Finanzierungsvertrag unterschreiben.

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Quellen
  1. EuGH, Urteil vom 16.04.2026, Rs. C-440/23, zur Vereinbarkeit des deutschen Online-Casino-Verbots mit der Dienstleistungsfreiheit, curia.europa.eu
  2. EuGH, Schlussanträge des Generalanwalts vom 19.03.2026, Rs. C-530/24, Sportwetten ohne deutsche Konzession
  3. EuGH, Schlussanträge des Generalanwalts vom 23.04.2026, Rs. C-683/24, zum maltesischen Gesetz Bill 55, und Urteil vom 21.05.2026, Rs. C-198/24, zur vorläufigen Kontenpfändung
  4. BGH, Beschluss vom 19.05.2026, Az. I ZR 216/25, Bestimmung zum Leitentscheidungsverfahren, Verhandlung am 17.09.2026, Verkündungstermin 28.01.2027 zusammen mit I ZR 78/25, bundesgerichtshof.de
  5. OLG München, Urteil vom 12.06.2026, Az. 36 U 1331/25, zu § 817 Satz 2 BGB
  6. §§ 134, 195, 199, 204, 291, 762, 812, 817, 823 BGB, gesetze-im-internet.de
  7. § 4 GlüStV 2012 und § 4 GlüStV 2021, Whitelist der erlaubten Anbieter bei der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder
  8. Art. 18 Verordnung (EU) Nr. 1215/2012 (Brüssel-Ia-VO), Art. 6 Verordnung (EG) Nr. 593/2008 (Rom I)

JuraRat.de Redaktion · Rechtsstand geprüft am 16.10.2026 · Die Entscheidung des BGH vom 28.01.2027 wird nach Verkündung eingearbeitet.

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Glücksspiel kann süchtig machen. Hilfe und Beratung erhalten Sie kostenlos und anonym beim Hilfetelefon 0800 1 37 27 00 und unter check-dein-spiel.de. Eine bundesweite Spielersperre beantragen Sie über das Sperrsystem OASIS beim Regierungspräsidium Darmstadt.

Häufig gestellte Fragen

Wir haben die am häufigsten gestellten Fragen für Sie gesammelt und beantwortet!

Bekomme ich mein Geld aus einem illegalen Online-Casino wirklich zurück?

Ja, in vielen Fällen. Hatte der Anbieter im Spielzeitraum keine deutsche Erlaubnis, sind die Spielverträge nach § 134 BGB nichtig und der Nettoverlust ist nach § 812 BGB zurückzuzahlen. Der EuGH hat am 16.04.2026 bestätigt, dass das deutsche Verbot mit EU-Recht vereinbar ist. Die abschließende BGH-Entscheidung wird am 28.01.2027 verkündet.

Wie weit zurück kann ich Verluste geltend machen?

Die absolute Grenze liegt bei zehn Jahren ab Entstehung des Anspruchs (§ 199 Abs. 4 BGB). Daneben gilt die dreijährige Regelverjährung ab Kenntnis, bei der die Gerichte unterschiedlich beurteilen, wann die Kenntnis beginnt. Verluste aus dem Jahr 2016 verjähren spätestens am 31.12.2026.

Gilt der Anspruch auch für Sportwetten?

Grundsätzlich ja, wenn der Wettanbieter im Spielzeitraum keine deutsche Konzession hatte. Für Sportwetten ist das EuGH-Verfahren C-530/24 noch offen, der Generalanwalt hat sich am 19.03.2026 für die Rückzahlungspflicht ausgesprochen. Mehrere Oberlandesgerichte sprechen Wettkunden bereits jetzt die Verluste zu.

Was zählt als Verlust und wie berechne ich ihn?

Maßgeblich ist der Nettoverlust: alle Einzahlungen an den Anbieter minus alle Auszahlungen an Sie im Zeitraum ohne deutsche Lizenz. Boni und Spielguthaben, die nie ausgezahlt wurden, zählen nicht. Die Zahlen belegen Sie mit Kontoauszügen, Zahlungsdienst-Historie und der Transaktionsliste des Anbieters.

Kann das Casino einwenden, dass ich vom Verbot wusste?

Der Einwand stützt sich auf § 817 Satz 2 BGB. Er greift nur, wenn der Anbieter beweist, dass Sie das Verbot kannten oder sich der Kenntnis leichtfertig verschlossen haben. Die Oberlandesgerichte, zuletzt das OLG München im Juni 2026, lassen den Einwand in der Regel nicht durchgreifen, der BGH wird den Punkt im Januar 2027 abschließend klären.

Was kostet die Rückforderung?

Mit Rechtsschutzversicherung tragen Sie meist nur die Selbstbeteiligung, eine Deckungsanfrage lohnt sich immer. Ohne Versicherung übernehmen Prozessfinanzierer die Kosten gegen eine Erfolgsprovision, die häufig bei rund 30 Prozent der Verlustsumme liegt und teils deutlich höher ausfällt. Wer selbst finanziert, trägt Gerichts- und Anwaltskosten vor, erhält sie bei Erfolg aber vom Anbieter zurück.

Was ist, wenn das Casino in Malta sitzt und nicht zahlt?

Das maltesische Gesetz Bill 55 soll die Vollstreckung ausländischer Urteile gegen dort lizenzierte Anbieter blockieren. Der EuGH-Generalanwalt hält die Regelung seit dem 23.04.2026 für unvereinbar mit EU-Recht, das Urteil in C-683/24 steht aus. Schon jetzt erlaubt der EuGH nach dem Urteil C-198/24 vom 21.05.2026 eine vorläufige Kontopfändung in anderen EU-Staaten.

Spielt es eine Rolle, dass ich im Urlaub gespielt habe?

Genau diese Frage verhandelt der BGH im Verfahren I ZR 78/25. In der mündlichen Verhandlung am 17.09.2026 hat der Senat angedeutet, dass vorübergehende Auslandsaufenthalte dem Anspruch nicht entgegenstehen, wenn Ihr gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland liegt. Verbindlich ist das erst mit dem Urteil am 28.01.2027.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Inhalt wurde zuletzt am 21.07.2026 überprüft und aktualisiert.

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