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Nachweisgesetz 2022: Pflichtangaben im Arbeitsvertrag – Rechte & Bußgelder

⚖ Rechtlicher Hinweis

Diese Vorlage wurde zuletzt am 22.07.2026 überprüft und aktualisiert.

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In Kürze:
In Kürze
  • Seit 01.08.2022: 15 Pflichtangaben im Arbeitsnachweis (§ 2 NachwG).
  • Verstöße gegen NachwG: Bußgeld bis 2.000 € pro Verstoß möglich.
  • Seit 01.01.2025 genügt meist die Textform; Papierform auf Verlangen.

Seit dem 1. August 2022 muss der Nachweis der Arbeitsbedingungen 15 Pflichtangaben enthalten, statt zuvor 10. Verstöße gegen das Nachweisgesetz (NachwG) sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Bußgeldern bis zu 2.000 € pro Verstoß geahndet werden. Die zunächst strenge Papierform-Pflicht wurde entschärft: Seit dem 1. Januar 2025 genügt in den meisten Branchen die Textform, etwa ein PDF per E-Mail (Viertes Bürokratieentlastungsgesetz).

Inkrafttreten: 1. August 2022

EU-Richtlinie 2019/1152 umgesetzt

Deutschland war verpflichtet, die EU-Richtlinie über transparente und vorhersehbare Arbeitsbedingungen bis August 2022 in nationales Recht umzusetzen. Das Ergebnis: ein erheblich erweiterter Pflichtenkatalog für Arbeitgeber und neue Rechte für Arbeitnehmer.

Was ist das Nachweisgesetz?

Das Nachweisgesetz (NachwG) verpflichtet Arbeitgeber, die wesentlichen Bedingungen eines Arbeitsverhältnisses zu dokumentieren und dem Arbeitnehmer auszuhändigen. Es begründet keine Pflicht zur schriftlichen Vertragsurkunde, wohl aber eine Pflicht zur Dokumentation bestimmter Vertragsinhalte.

Unterschied: Arbeitsvertrag vs. Nachweis

Ein mündlicher Arbeitsvertrag ist grundsätzlich wirksam. Das NachwG verpflichtet aber dazu, die wesentlichen Bedingungen schriftlich nachzuweisen. Viele Arbeitgeber erfüllen beide Pflichten in einer einzigen Vertragsurkunde; das ist die empfohlene Praxis.

Die 15 Pflichtangaben nach NachwG 2022

Seit dem 01.08.2022 zählt § 2 Abs. 1 NachwG 15 Pflichtangaben auf; zuvor waren es 10. Das Gesetz staffelt die Fristen in drei Stufen: Kernangaben am ersten Arbeitstag, weitere Angaben binnen 7 Kalendertagen, der Rest binnen eines Monats nach Arbeitsbeginn.

# Pflichtangabe Frist Status
1 Name und Anschrift der Vertragsparteien 1. Arbeitstag Bisher
2 Beginn des Arbeitsverhältnisses 7 Kalendertage Bisher
3 Bei befristetem Arbeitsverhältnis: Enddatum oder vorhersehbare Dauer 7 Kalendertage Bisher
4 Arbeitsort bzw. Hinweis auf wechselnde oder frei wählbare Arbeitsorte 7 Kalendertage Bisher
5 Kurze Tätigkeitsbeschreibung / Berufsbezeichnung 7 Kalendertage Bisher
6 Dauer der Probezeit (falls vereinbart) 7 Kalendertage Neu 2022
7 Zusammensetzung und Höhe des Arbeitsentgelts inkl. Überstundenvergütung, Zuschlägen, Prämien, Fälligkeit und Art der Auszahlung 1. Arbeitstag Erweitert
8 Vereinbarte Arbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten; bei Schichtarbeit: Schichtsystem und -rhythmus 1. Arbeitstag Erweitert
9 Bei Arbeit auf Abruf (§ 12 TzBfG): Referenzstunden, Referenztage, Ankündigungsfrist 7 Kalendertage Neu 2022
10 Möglichkeit der Anordnung von Überstunden und deren Voraussetzungen (falls vereinbart) 7 Kalendertage Neu 2022
11 Dauer des jährlichen Erholungsurlaubs 1 Monat Bisher
12 Anspruch auf Fortbildung (falls vom Arbeitgeber bereitgestellt) 1 Monat Neu 2022
13 Name und Anschrift des Versorgungsträgers der betrieblichen Altersversorgung (falls zutreffend) 1 Monat Neu 2022
14 Verfahren bei Kündigung (Schriftform, Fristen, Klagefrist nach § 4 KSchG) 1 Monat Neu 2022
15 Anwendbare Tarifverträge oder Betriebs-/Dienstvereinbarungen (Benennung ausreichend) 1 Monat Bisher
Was bedeutet "1. Arbeitstag"?

Spätestens am Tag der Arbeitsaufnahme müssen die Angaben zu Vertragsparteien, Entgelt und Arbeitszeit (Nrn. 1, 7 und 8) vorliegen (§ 2 Abs. 1 NachwG). Der vollständige Arbeitsvertrag sollte daher immer vor oder am ersten Arbeitstag ausgehändigt werden; dann sind alle drei Friststufen automatisch gewahrt.

Formerfordernis: Schriftform bis 2024 – seit 2025 genügt meist die Textform

Die Reform 2022 brachte zunächst eine strenge Formvorgabe: Der Nachweis musste in Schriftform erteilt werden, also als unterschriebene Urkunde in Papierform; eine E-Mail mit PDF-Anhang genügte nicht. Mit dem Vierten Bürokratieentlastungsgesetz wurde diese Vorgabe zum 1. Januar 2025 entschärft. Seitdem gilt (§ 2 Abs. 1 NachwG):

  • Textform genügt: Der Nachweis kann elektronisch übermittelt werden, etwa als PDF per E-Mail
  • Bedingungen: Das Dokument muss für den Arbeitnehmer zugänglich sein, gespeichert und ausgedruckt werden können; der Arbeitgeber muss mit der Übermittlung zur Erteilung eines Empfangsnachweises auffordern
  • Anspruch auf Papierform: Der Arbeitnehmer kann weiterhin jederzeit eine unterschriebene schriftliche Fassung verlangen
  • Ausnahme: In Wirtschaftsbereichen nach § 2a Abs. 1 SchwarzArbG (u. a. Baugewerbe, Gaststätten, Gebäudereinigung, Fleischwirtschaft) bleibt die Schriftform Pflicht
Übergang: Rechtslage 08/2022 bis 12/2024

Für Nachweise, die zwischen dem 01.08.2022 und dem 31.12.2024 zu erteilen waren, galt noch die strenge Schriftform; ein einfaches PDF erfüllte die Pflicht damals nicht. Erst seit dem 01.01.2025 genügt in den meisten Branchen die elektronische Übermittlung unter den oben genannten Bedingungen.

Bußgeld: Bis zu 2.000 € pro Verstoß

2.000 €
Bußgeld pro Verstoß (§ 4 NachwG)
Gilt bei verspäteter, unvollständiger oder formwidriger Ausstellung

§ 4 NachwG n.F. ist im deutschen Arbeitsrecht eine Neuerung: Der Verstoß gegen die Nachweispflicht ist jetzt eine Ordnungswidrigkeit. Zuständig für die Verfolgung sind die nach Landesrecht bestimmten Behörden, in der Regel die Arbeitsschutzbehörden der Länder. Bußgelder sind bis dato selten ausgesprochen worden; die rechtliche Grundlage ist aber vorhanden.

Beweislast-Folge für Arbeitgeber

Kann ein Arbeitgeber keinen ordnungsgemäßen Nachweis vorlegen, kann dies im Streitfall beweisrechtlich gegen ihn gewertet werden. Wenn der Arbeitnehmer günstigere Arbeitsbedingungen behauptet als im (mangelhaften) Nachweis angegeben, muss der Arbeitgeber das Gegenteil beweisen.

Bestehende Arbeitsverhältnisse: Was gilt für alte Verträge?

Das NachwG 2022 gilt nicht nur für neue Arbeitsverhältnisse. Für vor dem 01.08.2022 begründete Arbeitsverhältnisse gilt:

  • Der Arbeitnehmer kann jederzeit einen aktualisierten Nachweis verlangen
  • Der Arbeitgeber muss dann innerhalb von 7 Tagen die Kernangaben (Nrn. 1–10) aktualisiert aushändigen
  • Die restlichen Angaben (Nrn. 11–15) müssen innerhalb von einem Monat nachgereicht werden
Tipp für Arbeitnehmer

Wenn Sie seit vor August 2022 beschäftigt sind und Ihren alten Vertrag noch nicht aktualisiert haben: Sie können jederzeit schriftlich einen NachwG-konformen Nachweis verlangen. Der Arbeitgeber ist dann zur Ausstellung verpflichtet.

Was Arbeitnehmer jetzt tun sollten

  1. Ihren Arbeitsvertrag auf Vollständigkeit prüfen
    Vergleichen Sie Ihren Vertrag mit der Tabelle oben. Fehlen Angaben zu Probezeit, Überstunden, Fortbildung oder Kündigungsverfahren?
  2. Form prüfen
    Haben Sie eine unterschriebene Papier-Ausfertigung oder (seit 2025) ein speicher- und ausdruckbares elektronisches Dokument erhalten? In den Branchen nach § 2a Abs. 1 SchwarzArbG bleibt die Papierform Pflicht, und Sie können sie in jedem Fall verlangen.
  3. Aktualisierten Nachweis anfordern
    Bei Altverträgen: schriftlich einen NachwG-konformen Nachweis bei der Personalabteilung anfordern. Der Arbeitgeber hat dann 7 Tage Zeit.
  4. Bei Verweigerung: Rechtsweg
    Wenn der Arbeitgeber die Ausstellung verweigert oder unvollständige Unterlagen liefert: Meldung der Ordnungswidrigkeit bei der zuständigen Arbeitsschutzbehörde oder Klage beim Arbeitsgericht auf Ausstellung des Nachweises.

Besondere Fallgruppen

Aushilfskräfte und Minijobber

Das NachwG gilt auch für geringfügig Beschäftigte. Die frühere Ausnahme für vorübergehende Aushilfen von höchstens einem Monat wurde mit der Reform gestrichen; seit dem 01.08.2022 gilt die Nachweispflicht auch für kurzfristige Aushilfsverhältnisse (§ 1 NachwG).

Leiharbeitnehmer

Bei Leiharbeit ist der Verleiher (Zeitarbeitsunternehmen) der Arbeitgeber. Der Nachweis muss vom Verleiher ausgestellt werden, einschließlich der neuen Pflichtangaben. Das Entleihunternehmen ist nicht zur Ausstellung verpflichtet.

Arbeitsverträge mit Auslandsbezug

Wird ein Arbeitnehmer längere Zeit im Ausland tätig, müssen zusätzliche Angaben gemacht werden: Land/Länder des Auslandseinsatzes, Dauer, Währung der Vergütung, Rückkehrbedingungen (§ 2 Abs. 2 NachwG n.F.).

Arbeitsvertrag generator für NachwG-konforme Verträge

Unser Arbeitsvertrag-Generator enthält alle 15 Pflichtangaben nach dem NachwG 2022 und erfüllt auch das strenge Schriftformerfordernis.

Zur Arbeitsvertrag-Vorlage
Während des Arbeitsverhältnisses: Abmahnung und Probezeit

Wenn der Arbeitsvertrag steht, aber im laufenden Arbeitsverhältnis Probleme entstehen: Unser Ratgeber erklärt, wie eine Abmahnung wirksam bestritten werden kann und welche Fristen und Sonderschutzrechte bei einer Kündigung in der Probezeit zu beachten sind.

Häufig gestellte Fragen

Wir haben die am häufigsten gestellten Fragen für Sie gesammelt und beantwortet!

Ab wann gilt das neue Nachweisgesetz?

Die Reform trat am 01.08.2022 in Kraft. Für Arbeitsverhältnisse, die vor diesem Datum bestanden, müssen Arbeitgeber die neuen Angaben auf Verlangen des Arbeitnehmers nachliefern. Für nach dem 01.08.2022 neu begründete Arbeitsverhältnisse gilt das neue Recht von Anfang an.

Reicht ein digitaler Arbeitsvertrag nach dem NachwG 2022?

Seit dem 01.01.2025 in den meisten Branchen: ja. Mit dem Vierten Bürokratieentlastungsgesetz genügt die Textform: Der Nachweis kann als PDF übermittelt werden, wenn das Dokument für den Arbeitnehmer zugänglich, speicherbar und ausdruckbar ist und der Arbeitgeber zum Empfangsnachweis auffordert. Der Arbeitnehmer kann aber weiterhin eine unterschriebene Papierfassung verlangen. Ausnahme: In den Branchen nach § 2a Abs. 1 SchwarzArbG (z. B. Baugewerbe, Gaststätten, Gebäudereinigung, Fleischwirtschaft) bleibt die Schriftform Pflicht.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber den Nachweis nicht oder zu spät ausstellt?

Der Arbeitgeber kann mit einem Bußgeld bis zu 2.000 € pro Verstoß belegt werden (§ 4 NachwG n.F.). Außerdem kann der Arbeitnehmer den Nachweis einfordern, und bei Streitigkeiten kann ein fehlender Nachweis beweisrechtlich gegen den Arbeitgeber verwendet werden.

Gilt das NachwG auch für Minijobber und Teilzeitkräfte?

Ja. Das NachwG gilt für alle Arbeitnehmer unabhängig von Arbeitszeit oder Vergütungshöhe. Auch geringfügig Beschäftigte haben Anspruch auf einen Nachweis der wesentlichen Arbeitsbedingungen in Schrift- oder Textform.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Inhalt wurde zuletzt am 21.07.2026 überprüft und aktualisiert.

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