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Ratenkauf & Buy now, pay later: Was ab 20.11.2026 gilt

Smartphone, Einkaufstüte und Kreditvertrag auf einem hellen Schreibtisch
In Kürze:
In Kürze
  • Ab 20.11.2026 fallen auch zinsfreie Raten und Kleinkredite unter 200 Euro unter das Verbraucherkreditrecht.
  • Pflicht zur eingehenden Bonitätsprüfung, Standardinformationen und 14 Tage Widerrufsrecht.
  • Rechnungskauf beim Händler bleibt bis 50 Tage Zahlungsziel frei, bei großen Onlinehändlern bis 14 Tage.

Ab dem 20.11.2026 gelten die meisten Ratenkäufe und Angebote nach dem Prinzip "Buy now, pay later" als Verbraucherkredit. Anbieter müssen dann Ihre Bonität eingehend prüfen, Sie vor Vertragsschluss mit einem Standardformular informieren und Ihnen ein Widerrufsrecht von 14 Tagen einräumen. Grundlage ist das Gesetz zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie vom 12.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 139).

In diesem Beitrag behandeln wir, welche Bezahlarten neu erfasst sind, welche Ausnahmen für den klassischen Rechnungskauf bleiben und welche Rechte Sie als Käufer ab dem Stichtag haben. Am Ende finden Sie ein Muster für den Widerruf eines Ratenkredits.

Was ist Buy now, pay later?

Bei Buy now, pay later bezahlen Sie einen Einkauf nicht sofort, sondern später oder in mehreren Raten. Oft steckt ein Zahlungsdienst zwischen Händler und Kunde, der dem Händler den Kaufpreis sofort zahlt und von Ihnen das Geld später einzieht. Für Sie ist das ein Kredit, auch wenn keine Zinsen anfallen.

Bisher fielen viele dieser Angebote durch das Raster. Kredite unter 200 Euro und kostenlose Zahlungsaufschübe mit kurzer Laufzeit waren vom Verbraucherkreditrecht ausgenommen. Genau diese Lücke schließt die Richtlinie (EU) 2023/2225.

Was ändert sich ab dem 20.11.2026?

Das neue Recht streicht die alten Ausnahmen und erweitert die Pflichten der Anbieter. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

ThemaBis 19.11.2026Ab 20.11.2026
Kredite unter 200 €AusgenommenVerbraucherkredit
Zinsfreie Raten mit kurzer LaufzeitWeitgehend ausgenommenVerbraucherkredit, außer bei den engen Ausnahmen
BonitätsprüfungPflicht für erfasste KrediteEingehende Prüfung, ohne Social-Media- und Gesundheitsdaten
Form des VertragsSchriftformTextform genügt
WucherzinsenNur über § 138 BGBAusdrückliche Nichtigkeitsregel in § 492 Abs. 9 BGB

Welche Bezahlarten bleiben ausgenommen?

Der klassische Kauf auf Rechnung bleibt in vielen Fällen frei. Das Gesetz nimmt zwei Fälle ausdrücklich aus (§ 506 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 und 5 BGB):

  • Zahlungsziel beim Händler: Der Händler selbst gibt Ihnen kostenlos höchstens 50 Tage Zeit nach Lieferung, kein Dritter finanziert den Kauf und bei Verzug entstehen nur begrenzte Kosten.
  • Debitkarten mit Zahlungsaufschub: Das Geld ist binnen 40 Tagen zurückzuzahlen, zinsfrei und gegen nur geringe Entgelte.

Für große Onlinehändler, die kein kleines oder mittleres Unternehmen sind, gilt eine strengere Grenze. Bei ihnen bleibt der Rechnungskauf nur ausgenommen, wenn das Zahlungsziel höchstens 14 Tage beträgt und kein Dritter die Forderung als Finanzierung übernimmt.

Übrigens

Ratenzahlung über einen externen Zahlungsdienst fällt nicht unter die Händler-Ausnahme, weil dort ein Dritter finanziert. Hier gelten ab dem 20.11.2026 alle Regeln des Verbraucherkreditrechts.

Welche Pflichten haben Anbieter ab dem Stichtag?

Fällt ein Ratenkauf unter das neue Recht, muss der Anbieter vor und bei Vertragsschluss mehrere Pflichten erfüllen.

  1. Eingehende Bonitätsprüfung: Der Anbieter muss prüfen, ob Sie die Raten tragen können. Daten aus sozialen Netzwerken und besondere Kategorien wie Gesundheitsdaten sind dafür tabu (§§ 505a, 505b BGB).
  2. Standardinformationen: Vor Vertragsschluss erhalten Sie die "Europäischen Standardinformationen für Verbraucherkredite" (Art. 247 EGBGB). Für zinsfreie, sehr kleine oder kurze Kredite gibt es eine verkürzte Fassung.
  3. Kein Vertrag per Häkchen: Ein vorangekreuztes Kästchen reicht für den Vertragsschluss nicht aus (§ 492 Abs. 1a BGB).
  4. Warnhinweis in der Werbung: Kreditwerbung muss den Satz "Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld" oder eine gleichwertige Formulierung enthalten (Anhang Nr. 23e UWG).
§ 492 Abs. 8 BGB
Unbestellte Kredite

Zahlt ein Anbieter Geld aus, ohne dass Sie den Kredit angefordert und ausdrücklich zugestimmt haben, entsteht kein vertraglicher Anspruch gegen Sie. Das richtet sich gegen ungefragt eingeräumte Kreditrahmen.

Welche Rechte habe ich als Käufer?

Das wichtigste Recht ist der Widerruf. Sie können einen Verbraucherkredit innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung widerrufen (§ 495 BGB). Hat der Anbieter Pflichtangaben vergessen, beginnt die Frist später, sie endet aber spätestens 12 Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss (§ 356b BGB).

Ist der Kredit mit dem Kauf verbunden, wirkt der Widerruf auch auf den Kaufvertrag. Wie das beim Kauf selbst funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum Rücktritt vom Kaufvertrag. Für digitale Inhalte und Abos gelten Sonderregeln, die wir im Beitrag zum Widerrufsrecht bei digitalen Dienstleistungen beschreiben.

Wucherzinsen: Wann ist der Vertrag nichtig?

Eine feste Zinsobergrenze führt das Gesetz nicht ein. Neu ist aber eine klare Wucherregel: Ein Verbraucherkredit ist nichtig, wenn ein auffälliges Missverhältnis zum marktüblichen Zins besteht. Das liegt in der Regel vor, wenn der effektive Jahreszins den Marktzins um 100 Prozent oder um zwölf Prozentpunkte übersteigt (§ 492 Abs. 9 BGB).

Dispo: Was ändert sich beim Überziehungskredit?

Kündigt die Bank Ihren Dispo, muss sie das mindestens 30 Tage vorher ankündigen. Bevor sie vollstreckt, muss sie Ihnen anbieten, den Betrag in zwölf gleichen Monatsraten ohne zusätzliche Kosten zurückzuzahlen (§ 504 Abs. 2 BGB). Nach Angaben des Bundesjustizministeriums erhalten Dispo-Kunden zudem erstmals ein Widerrufsrecht.

Beachten Sie

Die neuen Regeln gelten für Verträge ab dem 20.11.2026. Für einen Ratenkauf, den Sie vorher abgeschlossen haben, bleibt es beim alten Recht. Kleine Ratenkäufe aus dem Oktober oder Anfang November genießen den neuen Schutz deshalb noch nicht.

Muster: Widerruf eines Ratenkredits Kopieren
[Ihr Name] [Ihre Adresse] [Name des Kreditgebers oder Zahlungsdienstes] [Adresse oder E-Mail-Adresse für Widerrufe] Ort, [Datum] Widerruf meines Kreditvertrags vom [Datum] Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit widerrufe ich den mit Ihnen geschlossenen Kreditvertrag vom [Datum], Vertrags- oder Bestellnummer [Nummer], über [Betrag] Euro. Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieses Widerrufs und teilen Sie mir mit, welcher Betrag bis wann zurückzuzahlen ist. Mit freundlichen Grüßen [Unterschrift] [Ihr Name]

Der Widerruf braucht keine Begründung. Senden Sie ihn per E-Mail oder Brief so, dass Sie den Zugang nachweisen können. Ausgezahltes Geld müssen Sie dann innerhalb von 30 Tagen zurückzahlen.

Fazit zum Thema Buy now, pay later

Ab dem 20.11.2026 behandelt das Gesetz die meisten Ratenkäufe und Buy-now-pay-later-Angebote wie einen normalen Verbraucherkredit. Anbieter müssen Ihre Bonität eingehend prüfen, Sie mit einem Standardformular informieren und einen Widerruf binnen 14 Tagen akzeptieren. Der einfache Rechnungskauf beim Händler bleibt bis zu 50 Tagen Zahlungsziel frei, bei großen Onlinehändlern nur bis zu 14 Tagen. Wucherzinsen machen einen Kreditvertrag künftig ausdrücklich nichtig. Prüfen Sie vor jedem Ratenkauf, wer den Kredit gibt und welche Kosten bei Verzug entstehen.

Geld privat verleihen?

Für Darlehen zwischen Privatpersonen gelten die Verbraucherkreditregeln nicht. Unser Muster zeigt, was in einen privaten Darlehensvertrag gehört.

Darlehensvertrag Vorlage ansehen
Quellen
  1. Umsetzungsgesetz zur Richtlinie (EU) 2023/2225 vom 12.05.2026, BGBl. 2026 I Nr. 139, recht.bund.de
  2. Gesetzentwurf der Bundesregierung, Drucksache 21/1851, bundestag.de
  3. Fragen und Antworten zur Verbraucherkreditrichtlinie, April 2026, bmjv.de
  4. Mehr Schutz bei Kreditverträgen, 19.05.2026, bundesregierung.de
  5. Buy now, pay later, Verbraucherinformation, bafin.de
  6. §§ 356b, 491, 492, 495, 504, 505a, 505b, 506 BGB, gesetze-im-internet.de

JuraRat.de Redaktion · Rechtsstand geprüft am 22.10.2026

Häufig gestellte Fragen

Wir haben die am häufigsten gestellten Fragen für Sie gesammelt und beantwortet!

Ab wann gelten die neuen Regeln für Buy now, pay later?

Die neuen Vorschriften gelten ab dem 20.11.2026. Verträge, die vor diesem Tag geschlossen wurden, laufen nach altem Recht weiter.

Ist der normale Kauf auf Rechnung jetzt ein Kredit?

In der Regel nicht. Gewährt der Händler selbst ein kostenloses Zahlungsziel von höchstens 50 Tagen nach Lieferung und entstehen bei Verzug nur begrenzte Kosten, bleibt der Rechnungskauf ausgenommen (§ 506 Abs. 1 BGB). Große Onlinehändler dürfen für diese Ausnahme höchstens 14 Tage Zahlungsziel einräumen.

Muss der Anbieter bei Buy now, pay later meine Bonität prüfen?

Ja, sobald der Ratenkauf unter die Verbraucherkreditregeln fällt. Die Prüfung muss eingehend sein. Daten aus sozialen Netzwerken und Gesundheitsdaten darf der Anbieter dafür nicht verwenden (§ 505b BGB).

Kann ich einen Ratenkauf widerrufen?

Ja. Für Verbraucherkredite gilt ein Widerrufsrecht von 14 Tagen (§ 495 BGB). Fehlen Pflichtangaben, verlängert sich die Frist, endet aber spätestens 12 Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss (§ 356b BGB).

Gibt es eine gesetzliche Zinsobergrenze?

Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Ein Kreditvertrag ist aber nichtig, wenn der effektive Jahreszins den marktüblichen Zins in der Regel um 100 Prozent oder um zwölf Prozentpunkte überschreitet (§ 492 Abs. 9 BGB).

Was passiert, wenn mir Geld ohne Antrag ausgezahlt wird?

Ein Kredit, den Sie nicht angefordert und dem Sie nicht ausdrücklich zugestimmt haben, begründet keinen Anspruch gegen Sie (§ 492 Abs. 8 BGB). Ein vorangekreuztes Kästchen reicht für einen Vertragsschluss ebenfalls nicht aus.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Inhalt wurde zuletzt am 21.07.2026 überprüft und aktualisiert.

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