- Forderungen aus 2023 verjähren mit Ablauf des 31.12.2026 (§§ 195, 199 BGB).
- Mahnung und Rechnung stoppen die Verjährung nicht, Mahnbescheid und Klage schon.
- Gewährleistung und Mietkaution haben eigene Fristen, die nicht am Jahresende enden.
Mit Ablauf des 31.12.2026 verjähren alle Forderungen mit der regelmäßigen Frist von drei Jahren, die 2023 entstanden sind. Danach kann der Schuldner die Zahlung verweigern. Wer noch Geld bekommt, muss die Verjährung bis Silvester hemmen, eine Mahnung reicht dafür nicht.
In diesem Beitrag behandeln wir, welche Forderungen zum Jahresende verfallen, welche Fristen anders laufen und wie Sie mit einem Mahnbescheid auch kurz vor Silvester noch handeln. Schuldner erfahren, wann sie eine alte Forderung nicht mehr bezahlen müssen.
Wie funktioniert die Verjährung zum Jahresende?
Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre (§ 195 BGB). Sie beginnt nicht am Tag der Rechnung, sondern mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger davon wusste oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätte wissen müssen (§ 199 Abs. 1 BGB). Deshalb enden so viele Fristen gleichzeitig am 31.12.
Ein Beispiel: Ein Handwerker stellt am 15.03.2023 eine Rechnung, die der Kunde nie bezahlt. Die Frist beginnt mit Ablauf des 31.12.2023 und endet mit Ablauf des 31.12.2026. Der 31.12.2026 ist ein Donnerstag, eine Verlängerung auf den nächsten Werktag gibt es also nicht.
Welche Forderungen verjähren am 31.12.2026?
Betroffen sind alle Ansprüche mit der regelmäßigen Verjährung, die 2023 entstanden sind. Typische Fälle:
- Offene Rechnungen: Handwerker, Dienstleister, Online-Shops und Freiberufler.
- Kaufpreis: Ein Privatverkauf, bei dem der Käufer nie gezahlt hat.
- Lohn und Gehalt: Ausstehende Vergütung aus 2023, sofern keine kürzere Ausschlussfrist gilt.
- Private Darlehen: Rückzahlungsansprüche, die 2023 fällig wurden.
- Rückforderungen: Zu viel gezahltes Geld, das Sie 2023 zurückverlangen konnten.
Im Arbeitsrecht verfallen Ansprüche oft lange vor der Verjährung, weil Arbeits- und Tarifverträge Ausschlussfristen von wenigen Monaten enthalten. Wie diese Fristen wirken, zeigt unser Ratgeber zu Überstunden und ihrer Bezahlung.
Welche Fristen enden nicht am 31.12.?
Mehrere wichtige Ansprüche haben eigene Fristen, die taggenau ab einem Ereignis laufen:
| Anspruch | Frist | Beginn |
|---|---|---|
| Mängel beim Kauf | 2 Jahre, bei Bauwerken 5 Jahre | Ablieferung der Sache, § 438 BGB |
| Mängel beim Werkvertrag | 2 Jahre, bei Bauwerken 5 Jahre | Abnahme, § 634a BGB |
| Schadensersatz des Vermieters | 6 Monate | Rückgabe der Wohnung, § 548 BGB |
| Ansprüche aus Urteil oder Vollstreckungsbescheid | 30 Jahre | Rechtskraft, § 197 BGB |
Gerade die kurze Frist im Mietrecht wird oft unterschätzt. Wie Mieter ihre Kaution trotz Streit zurückbekommen, steht im Ratgeber Mietkaution zurückfordern. Bei Mängeln an Handwerkerleistungen hilft unser Beitrag zu Mängeln beim Werkvertrag.
Daneben gelten Höchstfristen, unabhängig davon, ob der Gläubiger von seinem Anspruch weiß. Die meisten Ansprüche verjähren spätestens zehn Jahre nach ihrer Entstehung (§ 199 Abs. 4 BGB). Für Schadensersatz wegen Verletzung von Leben, Körper, Gesundheit oder Freiheit gilt eine Höchstfrist von 30 Jahren (§ 199 Abs. 2 BGB).
Wie stoppe ich die Verjährung noch rechtzeitig?
Eine Mahnung, eine zweite Rechnung oder ein Anruf hemmen die Verjährung nicht. Wirksam sind nur die Maßnahmen, die das Gesetz nennt:
- Mahnbescheid: Die Zustellung des Mahnbescheids hemmt die Verjährung (§ 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB).
- Klage: Die Erhebung der Klage hat dieselbe Wirkung (§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB).
- Verhandlungen: Solange Sie mit dem Schuldner ernsthaft über die Forderung verhandeln, ist die Verjährung gehemmt. Sie tritt frühestens drei Monate nach dem Ende der Verhandlungen ein (§ 203 BGB).
- Anerkenntnis: Zahlt der Schuldner eine Rate, Zinsen oder erkennt er die Forderung auf andere Weise an, beginnt die Verjährung neu (§ 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB).
Die Hemmung durch Mahnbescheid oder Klage endet sechs Monate nach dem Abschluss des Verfahrens (§ 204 Abs. 2 BGB). Bleibt das Verfahren liegen, läuft die Frist danach weiter.
Mahnbescheid kurz vor Silvester: Reicht der 31.12.?
Ja. Geht Ihr Antrag am 31.12. beim Mahngericht ein, wirkt die Hemmung auf diesen Tag zurück, sofern der Mahnbescheid demnächst zugestellt wird (§ 167 ZPO). Verzögerungen, die Sie selbst verursachen, etwa durch eine falsche Adresse oder eine fehlende Kostenzahlung, können diese Rückwirkung kosten.
Beschreiben Sie die Forderung im Antrag so genau, dass der Schuldner erkennt, um welche Rechnung es geht. Rechnungsnummer, Datum und Betrag gehören hinein. Den Antrag stellen Sie online über das gemeinsame Portal der Mahngerichte.
Was kostet ein Mahnbescheid?
Die Gerichtsgebühr für das Mahnverfahren beträgt eine halbe Gebühr nach dem Streitwert, mindestens 38 Euro (Nr. 1100 KV GKG). Erhebt der Schuldner keinen Widerspruch, beantragen Sie anschließend den Vollstreckungsbescheid. Ansprüche aus einem Vollstreckungsbescheid verjähren erst nach 30 Jahren.
Was gilt für Schuldner einer verjährten Forderung?
Verjährung löscht die Forderung nicht. Sie gibt Ihnen als Schuldner das Recht, die Zahlung zu verweigern (§ 214 Abs. 1 BGB). Darauf müssen Sie sich aktiv berufen, etwa im Widerspruch gegen einen Mahnbescheid. Das Gericht prüft die Verjährung nicht von sich aus.
Zahlen Sie eine verjährte Forderung trotzdem, ist das Geld weg. Sie können es auch dann nicht zurückfordern, wenn Sie von der Verjährung nichts wussten (§ 214 Abs. 2 BGB). Prüfen Sie alte Forderungen deshalb, bevor Sie zahlen oder eine Ratenzahlung zusagen, denn jede Teilzahlung ist ein Anerkenntnis.
Für Forderungen von Behörden gelten eigene Regeln. Wann Gebühren und Bescheide verjähren, erklärt unser Beitrag Wann verjähren Forderungen von Ämtern?
Steuern: Freiwillige Steuererklärung für 2022 bis 31.12.2026
Auch im Steuerrecht ist Silvester ein Stichtag. Die Festsetzungsfrist beträgt vier Jahre und beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Steuer entstanden ist (§§ 169, 170 AO). Wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist, kann eine freiwillige Einkommensteuererklärung für 2022 deshalb nur noch bis zum 31.12.2026 einreichen und sich so eine Erstattung sichern.
Fazit zum Thema Verjährung zum Jahresende
Forderungen aus 2023 mit der regelmäßigen Frist verjähren mit Ablauf des 31.12.2026. Eine Mahnung oder eine neue Rechnung ändert daran nichts, nur Mahnbescheid, Klage, Verhandlungen oder ein Anerkenntnis halten die Forderung am Leben. Ein Mahnbescheid, der am 31.12. beim Gericht eingeht, reicht aus, wenn Sie Adresse und Forderung korrekt angeben. Gewährleistung, Mietrecht und titulierte Ansprüche folgen eigenen Fristen. Als Schuldner müssen Sie sich auf die Verjährung selbst berufen und sollten alte Forderungen prüfen, bevor Sie zahlen.
Forderung schriftlich zurückweisen?
Unser Ratgeber zeigt, wie Sie gegen Bescheide und Forderungen Widerspruch einlegen.
Widerspruch einlegen- §§ 195, 197, 199 BGB, regelmäßige Verjährung und Höchstfristen, gesetze-im-internet.de
- §§ 203, 204, 212, 214 BGB, Hemmung, Neubeginn und Wirkung der Verjährung, gesetze-im-internet.de
- §§ 438, 548, 634a BGB, besondere Verjährungsfristen, gesetze-im-internet.de
- § 167 ZPO, Rückwirkung der Zustellung, gesetze-im-internet.de
- Kostenverzeichnis zum GKG, Nr. 1100, gesetze-im-internet.de
- §§ 169, 170 AO, Festsetzungsfrist, gesetze-im-internet.de
- Online-Mahnantrag der Mahngerichte der Länder, online-mahnantrag.de
JuraRat.de Redaktion · Rechtsstand geprüft am 22.10.2026
